4. Zwischen Fels und Stahl


Es war nun bereits über fünfhundert Jahre her, seit der legendären Schlacht um Tasqual.

Es war eine Zeit gewesen, als Menschen noch offen Seite an Seite mit Alliierten gegen die Hüter Samsalas angetreten waren. Es war die Zeit des großen galaktischen Krieges gewesen - ein Krieg, der auch heute noch tobte. Doch in den Geschichtsbüchern, die immer von Siegern geschrieben wurden, war der Krieg seit jenen Tagen bereits zu Ende.

Die Schlacht um Tasqual war eine der letzten großen Entscheidungsschlachten gewesen. Danach war offizieller Friede in der Galaxis eingekehrt und aus den einst verhaßten menschlichen Gegnern waren ebenso verhaßte Rebellen geworden, die nicht mehr ihre Rechte verteidigten, sondern gegen bestehendes Recht verstießen. Die Geschichte wurde von Siegern geschrieben - und ebenso geltendes Recht.

Jener Ort, an dem einst die Schlacht von Tasqual Millionen von Leben beendet hatte, war heute eine Trümmerwüste. Nicht nur einst gewaltige Schlachtschiffe waren hier zu unförmigen Stahltrümmern zerborsten, sondern drei der vier Planeten des kleinen Systems mit seiner roten Riesensonne waren in jenen Monaten zerstört worden.

So drifteten heute die Gesteinsbrocken von drei Planeten und eine einstmals geschätzte Masse von 400 Millionen Tonnen Raumschrott in einer langsamen aber steten Bahn zwischen dem glühenden Roten Riesen und einem Gasplaneten von doppelter Jupitermasse durch einen vom Tod geschwängerten Leerraum.

Die Schlacht von einst war längst Geschichte. Die wenigen Zeitzeugen jener Zeit längst gestorben, aber die Legende lebte - trug Blüten.

Wenn man Galaktische Händler oder andere Sternenreisende fragte, so sprach jeder von dieser Zone nur als von dem Friedhof.

Nur die wenigsten waren je auch nur in die Nähe des Tasqual-systems gekommen, aber jeder hatte Geschichten davon zu erzählen. Der Friedhof galt als die Todeszone der Galaxis. Keinem hatte es je Glück gebracht diesen Ort aufgesucht zu haben. Man sprach davon das sich hierher die letzten Raumungeheuer zurückgezogen hätten, die zu einer Zeit, als das Universum noch jung war, ganze Planeten verschlungen und Schwarze Löcher erschaffen hatten.

Man sprach davon das zwischen den Asteroiden und Schiffstrümmern, die Geister der Opfer jener Schlacht nie ihren Frieden gefunden hatten und jeden der das System bereiste mit schrecklichen Alpträumen bis an sein Lebensende heimsuchten.

Natürlich war das alles Unsinn. Jeder Wissenschaftler konnte darüber nur lachen, auch wenn keiner bisher je den Versuch unternommen hatte, die teils gewaltigen Schiffstrümmer einer historischen Forschung zu unterziehen. Auch die Hüter Samsalas hatten für derartige Geschichten lediglich Spot übrig und priesen das Tasqual-System als einen glorreichen, wichtigen Ort für den heutigen Wohlstand der Galaxis. Trotzdem war es bemerkenswert, das die seltenen Zwischenstopps der samsalischen Patrouillenschiffe im Tasqual-System als ungewöhnlich kurz in den Logbüchern verzeichnet waren.

Die Galaxis mied dieses System - und das war gut so.

 

*

 

Als die BOUNTY ihren Hyperraumflug beendete, befanden sich alle Passagiere in der engen Zentrale.

William T. Riker stand neben Geordie LaForge an die Rückwand gelehnt rechts neben dem Schott. Links davon stand Data und der Mausbiber Gucky, der es sonst haste herumzustehen und keine Sitzgelegenheit zu bekommen.

Reginald Bull saß, etwas nach hinten versetzt neben Laura Banks auf einem Notsitz, der seit Jahren nicht mehr benutzt worden war und verdächtig bei jeder Bewegung Bulls ein knirschendes Geräusch produzierte.

Alle bis auf Laura blickten aus dem Kanzelfenster, als das Bild der auseinanderstrebenden Sterne plötzlich einem Meer aus Asteroiden wich, die im Moment des Rücksturzes aus dem Überlichtflug auf das Schiff zuzustürzen schienen.

Laura Banks hatte sehr genau gerechnet. Das Schiff war ziemlich nahe der Peripherie des scheinbar endlosen Asteroidenfeldes in den Normalraum zurückgefallen und stürzte nun mit einer Restgeschwindigkeit von mehreren tausend Stundenkilometern direkt in das Trümmerfeld.

Die Bounty bremste mit Höchstwerten. Vibration setzte ein. Irgendwo im Schiff begann etwas zu scheppern. Bully registrierte einige Warnanzeigen, die auf der Hauptkonsole hektisch zu blinken begannen.

"Kollisionswarnung, Kollisionswarnung...", begann der Bordrechner immer wieder zu blärren.

"Natürlich. Was sonst?"

Bull musterte die junge Frau von der Seite. Ihre trocken ausgesprochenen Worte hatten nicht den Hauch von Nervosität oder gar Panik. Er kam zu dem Schluß, daß der Piratin die vermeintliche Notsituation einen höllischen Spaß bereitete.

Die ersten Irrläufer des Asteroidenfeldes schossen vorbei. Das Schiff gehorchte präzise, als Laura die BOUNTY um zwanzig Grad um die Längsachse drehen ließ. Keine zehn Meter unter dem Raumer schoß daraufhin ein Großer Brocken vorbei, der ohne dieses Manöver direkt in der Zentrale gelandet wäre.

Laura bediente dabei den Steuerknüppel vor sich mit nur drei Fingern und einer Sanftheit, die Bulls Blick fesselte.

Inzwischen hatte die BOUNTY auf unter tausend Stundenkilometer verzögert. Das Scheppern im hinteren Teil des Schiffes war inzwischen zu einem stakkatoartigen Schlagen angewachsen. Als der Raumer schließlich mit aufheulenden Haupttriebwerken aus der Flugbahn gezogen wurde, um einem hausgroßen Asteroidenbrocken auszuweichen, war die Geschwindigkeit bereits auf etwa zweihundert Stundenkilometer gefallen.

Die Vibrationen erloschen langsam. Laura Banks schien nicht vorzuhaben wesentlich langsamer zu werden.

"Die Wahrscheinlichkeit bei dieser Geschwindigkeit ein Asteroidenfeld dieser Größe unbeschadet zu durchqueren, liegt bei Null Komma Drei-Sieben Prozent", bemerkte Lieutenant Commander Data emotionslos aus dem Hintergrund.

Bull überflog die Sensoranzeigen, die auf drei kleinen in das Steuerpult eingearbeiteten Bildschirmen die Daten des unmittelbar umgebenden Raumbereichs zusammenfaßten.

Die Kosmischen Strahlung - überall im Weltraum vorhanden - stieg hier extrem an. Die Werte der umgebenden Ionen, Protonen und Heliumkerne ließ auf starke Sonnenwinde des nahen Roten Riesen schließen der die ganze Szene mit seinem düsteren Rottönen ausleuchtete, welche von Milliarden Kleinstasteroiden, Staub- und Gaspartikeln reflektiert wurden.

Permanent schlugen mikroskopisch kleine Fragmente in denn Prallschirm der BOUNTY ein und vergingen glühend darin.

Plötzlich tauchte hinter einem über hundert Meter durchmessenden Asteroiden eine schimmernde von unzähligen Einschlägen überzogene und durch Kleinstpartikel abgeschliffene Metallkonstruktion auf, die an die zwanzig Meter durchmaß. Es war ein unförmiger Klumpen aus Stahl, der an den Rändern deutliche Abrißkanten aufwies.

"Wrackteile", stellte Bull fest. "Ich kann hier sehr hohe Metallkonzentrationen zwischen den Asteroiden erkennen."

"Die Schlacht von Tasqual", sagte Gucky aus dem Hintergrund. Er blickte dabei auf Lauras Rücken, als könne er die eben gesprochenen Worte dort in großen Lettern ablesen.

"Ja, Allwissender", bestätigte Laura Banks ohne es zu wagen sich zu dem Mausbiber umzudrehen. Tiefe Ehrfurcht lag in ihrer Stimme. Ein Umstand, der Bully immer wieder ein ungewolltes Schmunzeln auf die Lippen legte.

"Hier tobte die Entscheidungsschlacht des großen Galaktischen Krieges", fuhr die junge Frau fort, ohne den Blick von den Schirmen zu lassen und ununterbrochen Ausweichmanöver zu fliegen, die das Schiff immer tiefer in das Asteroidenfeld hineinbrachte. "Wir sind fast am Ziel."

Sie nahm einige Schaltungen vor und aktivierte den Normalfunk auf niedrigster Leistungsstärke.

"Achtung, NEW BERLIN, hier ist das Rebellenschiff BOUNTY. Code Renegat A-2010 Alphaklasse. Erwarten Leitstrahl für Dockingmanöver."

Sie ließ die Nachricht aufzeichnen und in einer Endlosschleife abstrahlen.

Bull überflog erneut die Sensoranzeigen und schüttelte denn den Kopf. Riker trat nun ebenfalls nach vorne und sah ihm über die Schulter.

"Ich kann nichts orten."

"Sie haben uns längst in der Passivortung", widersprach Laura, "und könnten uns innerhalb von einer Sekunde aus dem Raum blasen."

"Wir sind also bereits in Sichtweite der Station?", fragte Riker.

Anstelle einer Antwort sprach sie erneut auf den Bordcomputer ein, woraufhin dieser über das Panoramafenster eine Projektion legte, welche mehrere große Asteroiden rot einfärbte.

"Getarnte Abwehreinheiten vom Typ Hammerhawk im Sleepmodus. Feuerbereitschaft innerhalb von Null Komma Fünf Sekunden. Raketenwerferbatterien mit einem Feuerintervall von 10 Mittelstreckenraketen pro Sekunde. Außerdem Phaserbatterien vom Typ Thunder 8000, sowie Molekularzerstäuber der Sun-Klasse - das ganze Spielzeug eben um das Weltall zum kochen zu bringen."

Es lag keinerlei Begeisterung oder Anerkennung in ihrer Stimme, als sie die Offensivbewaffnung der Rebellenbasis beschrieb. Sie sagte es, als würde sie über die Melekularzusammensetzung eines dieser Asteroiden referieren. Jedenfalls war Bull ab diesem Zeitpunkt absolut sicher, daß Laura Banks nicht nur bereits an diesem Ort gewesen war, sondern das sie hier einmal zuhause gewesen sein mußte.

Während Bull die zahlreichen rot markierten Asteroiden musterte, konnte er es nicht verhindern, sich in einen SERUN zu wünschen. Doch der einzige Anzug dieser Art, den sie hatten retten können lag zur Zeit in einem der Labors der ENTERPRISE und durchlief weiterhin einen Selbstreparaturzyklus.

Bull und auch Gucky trugen ihre einfachen Bordkombinationen, die sie während der Haverie in diesem Universum getragen hatten. Die eng anliegenden Kombinationen aus synthoplastischem Terkonit mit Dekompressionschutzfeldsystem waren natürlich nicht mit einem SERUN vergleichbar, aber es war trotzdem mit nichts zu vergleichen was die Besatzung der ENTERPRISE kannte. An dieser "Freizeitkleidung", die zur Standardausrüstung des Fernraumschiffs BASIS gehörte, wurde besonders deutlich das die Menschen der ENTERPRISE entwicklungstechnisch Jahrhunderte von den Unsterblichen trennte.

Es verging eine weitere Minute während die BOUNTY tiefer in das Asteroidenfeld eindrang. Die relative Eigenbewegung der Asteroiden und Trümmerstücke nahm merklich ab. Plötzlich erwachte die Umgebung zu ungeahntem Leben.

Unzählige Scheinwerfer erfaßten das anfliegende Schiff - als Ursprung konnte Bull die Markierten Asteroiden ausmachen - und das Projektionsfeld legte über die Sichtkanzel ein grünes Gitterfeld das einem Anflugkorridor entsprach, der zunächst noch kein konkretes Ziel als Endpunkt hatte, sondern sich zwischen dem Asteroidenfeld in der Ferne verlor.

Von einer Sekunde zur anderen tauchten plötzlich links und rechts der BOUNTY zwei schlanke etwa zehn Meter lange Raumjäger auf, die ihre Geschwindigkeit dem Schiff Lauras anglichen. Deutlich konnten Lauras Begleiter die behelmten Köpfe zweier Menschen hinter den Panzerglasscheiben der Cockpits erkennen.

"Hier Viper Eins. Identifikation positiv. Bitte übergeben Sie Steuerkontrolle an NEW BERLIN. Wir bringen Sie rein. Schön Sie wieder zu sehen BOUNTY."

Die Funkmeldung war kurz und sachlich gewesen, und doch hatten die Worte ihre Wirkung auf Laura nicht verfehlt. Bull sah wie sie schluckte. Erinnerungen waren wachgerufen worden. Noch vor kurzer Zeit hatte die Piratin es für unmöglich gehalten, jemals an diesen Ort zurückzukehren.

Laura schaltete auf Autopilot. Sofort wurde die BOUNTY auf einen präzisen Kurs in die Mitte des Anflugkorridors gezogen. Die Geschwindigkeit sank rapide auf etwa fünfzig Stundenkilometer und dann hatten sie das Ziel plötzlich vor Augen.

Der Anflugkorridor endete im Schatten des Kraters auf einem etwa fünf Kilometer durchmessenden Asteroiden, der sich zunächst in Nichts von den Millionen anderen Großasteroiden zu unterscheiden schien. Als der Entfernungsmesser jedoch die zehn Kilometergrenze unterschritt. Leuchteten plötzlich unzählige Lichter auf der ganzen Oberfläche verteilt auf. Der vermeintliche tote Krater auf den sie zusteuerten erhellte sich ebenfalls und entlarvte sich dabei als tiefe, etwa zweihundert Meter durchmessende, metallverkleidete Röhre, an dessen Innenseite mehrere halbkreisförmige Landeplattformen vorhanden waren. Unzählige Scheinwerfer richteten sich auf die BOUNTY. Die begleitenden Raumjäger erhöhten nun die Geschwindigkeit und flogen dem Schiff voraus in die etwa fünfhundert Meter tiefe Andockbucht.

"Sie heißen euch willkommen", meinte Laura nur, während sie Prallschirm und Antrieb deaktivierte und die BOUNTY von einem Traktorstrahl an eine Dockingbay herangezogen wurde.

 

*

 

Die unterschiedlich großen Landeplattformen hatten eine Fläche von etwa 50 bis hin zu 300 Quadratmetern. Sie waren scheinbar ohne System in unterschiedlichsten Höhen und Positionen an der Innenröhre angebracht. Viele zeigten deutliche Anzeichen von Korrosion, andere schienen erst vor kurzem angebracht worden zu sein.

Der Flug der BOUNTY endete auf einer der größten Dockingbays. Der Traktorstrahl setzte das Schiff ziemlich unsanft auf der Plattform ab. Zu beiden Seiten des Schiffes waren kurz vorher die beiden Kampfjäger niedergegangen.

Die Passagiere der BOUNTY konnten von jenseits des Schiffes dumpf die Geräusche eines typischen Raumhafens hören. Ein Blick auf die Kontrollen zeigte Bull das eine Normaldruckatmosphäre das Schiff umgab. Sie mußten beim Einflug einen Prallschirm durchquert haben, der das Vakuum des Weltalls draußen hielt.

Die Aggregate der BOUNTY stellten ihre Arbeit gänzlich ein. Die bunten Anzeigen auf den Steuerpulten erloschen bis auf wenige Stand-by-Anzeigen.

Laura Banks fuhr in ihrem Pilotensitz herum.

"Das war’s. Wir sind da. Bitte alles aussteigen."

"Soll ich mich schon einmal umsehen", fragte Gucky ohne Anstalten zu machen sich in Bewegung zu setzen. Er erntete fragende Blicke der ENTERPRISE-Offiziere. Sie wußten noch immer nichts von der Teleporterfähigkeit des Mausbibers. Reginald Bull war hingegen sofort klar, was Gucky unter einem "Schon-Einmal-Umsehen" meinte.

Deshalb gab Bully dem Mausbiber mit einer kategorischen Handbewegung und einem klaren "Nein" zu verstehen, daß er den Vorschlag für eine schlechte Idee hielt.

Nacheinander verließen alle das Schiff. Laura Banks bildete das Schlußlicht. Wie es ihre Art war verschloß sie das Schott Der BOUNTY und sicherte es zusätzlich.

Nun standen die sechs Besucher der Rebellenbasis vor dem Schiff und warteten.

Eine sachlich klingende, weibliche Stimme hallte durch das Weit der Hangarröhre und meldete den Ablug eines Versorgerschiffes. Im nächsten Moment schoß ein über 80 Meter langer bauchiger Raumer, flankiert von zwei Raumjägern, aus der Tiefe empor. Die dabei verdrängte Luft fegte über die Landeplattform hinweg.

Als die drei Schiffe den Kraterrand hinter sich gelassen hatten, ertönte ein Warnsignal und über den Besuchern begannen Warnlampen an der Innenseite des Röhrenrandes zu Blinken. Die Umgebung wurde in rotes Licht getaucht. Kurz darauf begann sich unter gewaltigem Krachen und Rumoren ein Schott zu schließen. Der Vorgang dauerte über eine Minute. Nachdem sich das Schott unter einem letzten lauten Schlag geschlossen hatte, erlosch das Rotlicht und wechselte zu einem nüchternem Weißlicht.

"Hangartore geschlossen", erklang die Stimme erneut. "Tarnmodus Alpha aktiv. Es gelten Sicherheitsprotokolle Alpha bis Gamma."

Die Meldung hallte noch mehrere Male durch den Röhrenhangar. Aber die Aufmerksamkeit der Besucher konzentrierte sich inzwischen auf die beiden Raumjäger, deren Pilotenkanzeln sich nahezu gleichzeitig zischend öffneten. Aus beiden Jägern stiegen je zwei Humanoide in schweren Kampfmonturen aus. Reginald Bull erinnerten die Anzüge an altertümliche Druckanzüge, die Kampfpiloten der Erde schon vor Jahrtausenden getragen hatten, um bei starken Beschleunigungswerten zu verhindern, das sich Blut aus dem Kopf in den Füßen sammelte. Auch er hatte während seiner Ausbildung bei der US Space Force einst solche Anzüge getragen.

Die Kombinationen waren in den unterschiedlichsten Grautönen gehalten und zeigten alle individuelle Veränderungen, was den ersten Eindruck von Uniformen bei näherer Betrachtung verschwinden ließ. Auf den einst schwarzen Helmen waren unterschiedliche Schriftzüge und Symbole angebracht. Bull konnte in der strahlenden Hangarbeleuchtung die Gesichter unter den spiegelnden Sichtscheiben nur ansatzweise erkennen.

Alle Vier hatten sie ihre behandschuten Hände auf schweren Energiestrahlern gelegt, die sie in breiten Gürtelhalftern trugen.

Keiner sprach ein Wort. Fast im Gleichschritt kamen sie auf die Sechs zu. Langsam schob sich Laura Banks an die Spitze ihrer Passagiere, trat den Raumpiloten entgegen und stemmte dabei die Arme in die Hüften. Sie hatte darauf verzichtet ihren Waffengürtel umzulegen, in dem sie normalerweise zwei Energiestrahler trug. Trotzdem schien sie in ihren Bewegungen wie immer kampfbereit.

Sie trug lediglich eine schwarze, figurbetonte Kombination, die bis oben geschlossen war. Ihre Füße steckten in ebenso schwarzen Stiefeln.

Die Vier Rebellen blieben knapp zwei Meter vor Laura stehen. Für Sekunden sprach keiner ein Wort. Dann nahm der Kleinste von ihnen von Ihnen mit einer schnellen Bewegung den Helm ab und warf ihn einem seiner Kollegen zu. Im nächsten Moment packte er Laura Banks, die einen halben Kopf größer war als er, an den Hüften und hob sie hoch.

"Schön Dich endlich wiederzusehen, Mädchen."

Er drehte sich einmal um die Achse und setzte sie dann wieder auf dem Punkt ab, von der er sie hochgehoben hatte. Laura Banks lies es über sich ergehen. Ihre Begleiter konnten sie sogar lächeln sehen.

Sie sahen einen kaum zwanzigjährigen Blondschopf mit einem strahlenden Lachen im Gesicht, der ihnen kurz zunickte und sich als Charles Hallow vorstellte.

Auch die anderen Rebellen nahmen nun die Helme ab. Die Passagiere Lauras blickten in durchweg freundliche, menschliche Gesichter.

"Es freut mich auch dich wiederzusehen, Charly", begrüßte nun auch Laura Banks den Kampfgleiterpiloten und boxte ihm freundschaftlich in die Seite.

In diesem Moment öffnete sich zischend das Schott ins Innere der Rebellenbasis und ein hochgewachsener Mann kam, gefolgt von mehreren anderen Rebellen, auf die kleine Gruppe vor der BOUNTY zu. Als Laura ihn erblickte, schob sie ihren alten Bekannten zur Seite und ging schnellen Schrittes auf den Mann an der Spitze zu.

Charly wollte noch etwas zu Laura sagen, schüttelte dann jedoch nur den Kopf.

Laura Banks blickte dem Mann direkt in die Augen. Es waren die Augen von James Gonner. Während sie ihre Schritte beschleunigte zogen Gedanken in ihrem Innern vorüber. Sie sah den Fluß hinter ihrem Haus, sah Jimmy, wie er von Ihrem Baum ins Wasser sprang, sah sie beide am Fenster des Evakuierungschiffes stehen, sah sie Seite an Seite kämpfen, weinen und lieben. Sie sah sein Lachen, seine Entschlossenheit und seine Härte. Und als sie ihn endlich erreicht hatte, schlug sie ihm mit aller Kraft und Leidenschaft zu der sie fähig war die Faust gegen sein Kinn. Der Führer der Rebellen taumelte rückwärts, stürzte und schlitterte über den Boden zwischen seinen Begleitern hindurch mehrere Meter über den Boden, wo er benommen liegen blieb.