Zwischenbericht - Laura Banks

Laura Banks - Der Abschied

Quentin Xener war der Anführer der Rebellen im Raumbereich NEW BERLIN. Alles lief seinen gewohnten Gang.

James Gonner blickte im Halbdunkel auf seinen Armbandchronometer. In weniger als drei Stunden würden wir das Zielgebiet erreichen. Xeners Plan schien wie immer perfekt. Ich konnte förmlich spüren, wie sich Jimmys Gedanken in strategischen Überlegungen verloren.

Ich schloss die Augen. Ich verdrängte den Gedanken daran, wollte hier und jetzt nur für den Augenblick leben. Ich lauschte dem tiefen monotonen Brummen des Schiffsantriebs und dem gleichmäßigen Atem Jimmys neben mir. Der Geruch des Abendessens lag noch immer in der Luft seiner Kabine, doch er wurde längst überlagert vom Geruch unserer beider Körper.

"Wir werden von hier verschwinden."

Ich drehte mich auf die Seite und blickte ihn an, wie er so dalag auf dem Rücken mit geschlossenen Augen. Wie lange schon hatte ich auf diese Worte gewartet.

"Wann?"

"Bald."

Natürlich. Mit Nachdruck blies ich die Luft aus den Lungen, zog mir das Lacken fester über den nackten Körper und drehte mich auf die andere Seite dem Fenster der Schlafkoje zu.

Draußen zogen die Sterne als verwaschene Schemen im Überlichtflug vorbei. Ihr Leuchten spiegelte sich in der Panzerglasscheibe wider und verwandelte sich darin in Einsamkeit.

Jim genoss Ansehen in der Gruppe NEW BERLIN. Er hatte mit seinen vierundzwanzig Jahren bereits Herausragendes geleistet. Von seinen Einsätzen wurde auch weit über NEW BERLIN hinaus gesprochen. Er galt als bemerkenswerter Taktiker, der in seinen Leistungen oft in einem Satz mit Quentin Xener genannt wurde. Er hatte viel für die Menschheit geleistet in den sieben Jahren seit wir beide aktiv bei den Truppen der Rebellen lebten. Er lebte wie kein anderer die Parole der Rebellen: Für die Zukunft!

Er hätte gehen können. Keiner hätte ihm das Recht dazu absprechen wollen. Viele zogen sich immer wieder von den Rebellen zurück und versuchten eigene Wege zu gehen. Denn nirgendwo sonst sah man soviel Leid und Elend, wie an der Front des Kampfes gegen SAMSALA. Dieser Kampf konnte Menschen zerbrechen. Er forderte alles und gab letztlich so wenig zurück.

James Gonner hätte gehen können. Doch ich wusste in meinem tiefsten Innern, dass er nie gehen würde.

 

*

Drei Stunden später saßen wir beide auf der kleinen Brücke des Kampfschiffs ROT-2. Jimmy war der Kommandant, ich die Pilotin. So war es seit zwei Jahren. Ich hätte längst ein eigenes Schiff haben können, doch das hätte eine Trennung für uns beide bedeutet und das wollte ich nicht. Also hatte ich zurückgesteckt - so wie immer.

"Bereitschaftsanfrage von Staffelführer", meldete die Dritte im Bunde der kleinen Brückencrew, Vanessa Newmann.

Jimmy überflog die Anzeigen seiner Hauptkontrollen. Alle Werte des 100-Meter-Schiffs waren im grünen Bereich. Die drei angedockten Kampfgleiter signalisierten ebenfalls Bereitschaft. Er nickte zufrieden.

"Bestätige Xener das wir einsatzklar sind, Vanessa."

Die Uhr zählte rückwärts. Wenn ihre Informationen stimmten, würde die Staffel aus fünf Rebellenschiffen in etwas mehr als fünf Minuten nahe eines Versorgungskonvois aus dem Hyperraum fallen. Wenn alles so lief, wie Xener es im Kommandoschiff ROT-1 geplant hatte, würden wir mit einer Beute aus Lebensmitteln und Medikamenten nach NEW BERLIN zurückkehren.

Man musste essen, um kämpfen zu können.

Mit einer Verzögerung von exakt fünfzehn Minuten würde ein Rebellenfrachter das Zielgebiet erreichen. Bis dahin mussten wir den Kampf für uns entschieden haben, oder den Rückzug antreten. Der Raumbereich NEW BERLIN erstreckte sich zwar größtenteils über den Randbereich der Milchstraße, in dem der Einflußbereich SAMSALAS nur partiell effektiv war, jedoch lag die Flugroute des Konvois am äußeren Rand des Rebellenaktionsradius Richtung Milchstraßenzentrum. Die samsonischen Raumaktivitäten waren hier um mehr als vierhundert Prozent höher als in den Outlands.

Die Frachter würden um Hilfe funken und sie würden in diesem Sektor nicht lange darauf warten müssen, denn auf jede Sichtung von Rebellenschiffen stürzten sich samsonische Kampfeinheiten wie auf kein anderes Ziel.

Der Countdown sprang auf Null und die fünf Rebellenschiffe fielen planmäßig aus dem Hyperraum. Stille und Leere herrschte hier im interstellaren Raum zwischen den Sonnensystemen. Doch nur für kurze Zeit. Die Taster erfassten die Detonation der installierten Hyperraumminen und im nächsten Moment stürzten unkontrolliert drei samsonische Großraumfrachter im Lichtkaskadenspiel des aufgerissenen übergeordneten Kontinuums in den Einsteinraum zurück. Die Minen hatten volle Arbeit geleistet und dem Hyperraumflug des Konvois ein jähes Ende gesetzt. Die Ortung sprach sofort an. Neben den drei Frachtern wurde ein samsonisches Kampfschiff der Dreihundert-Meter-Klasse geortet.

"Einsatz! Einsatz!", erklang die rauhe Stimme Quentin Xeners in allen fünf Rebellenschiffen. Keine Sekunde später scherten die Kampfgleiter aus, von denen je drei eben noch an jedem Rebellenschiff angedockt waren.

Der Abstand zum Konvoi hatte keine fünfhunderttausend Kilometer betragen, und die Frachter stürzten mit einer Restgeschwindigkeit von wenigen Prozent der Lichtgeschwindigkeit durch den Normalraum. Alles war perfekt berechnet. Die relative Geschwindigkeit zur Rebellenformation würde sich in wenigen Sekunden aufbrauchen.

Frachter waren nur sehr schwach bewaffnet. Auch die Schutzschirme waren am unteren Level des samsonischen Standards. Schutzschirmprojektoren benötigten Raum, ebenso wie die zu ihrer Versorgung erforderlichen Energiemeiler. Raum war jedoch wertvoll auf Frachtschiffen. Und außer den vereinzelten Angriffen durch eben die Rebellen, hatten Samsonische Raumer wenig zu befürchten.

So kam es das wir die Frachter zunächst ignorierten und uns auf das samsonische Kampfschiff konzentrierten. Der Dreihundert-Meter-Raumer war für Rebellenverhältnisse ein Gigant. Es gab kein Rebellenschiff, das länger als zweihundert Meter war.

Ich beobachtete die knapp zwanzig Meter langen pfeilförmigen Kampfjäger, die sich wie tiriljanische Giftfliegen auf den Schweren Kreuzer stürzten. Die Rebellenjäger waren sehr schnelle, wendige Schiffe mit einer hohen Feuerkraft, die zugunsten der Defensivbewaffnung ging. Mehr als drei bis vier Treffer aus Standardimpulswerfern konnten diese Jäger nicht verkraften. Die Piloten wussten das, doch sie wussten auch, dass es überaus schwer war die kleinen Schiffe zu treffen. Anders war das schon mit den drei Kommandoschiffen. Die Kommandanten verhielten sich entsprechend. Die Schutzschirme standen auf Maximum, als die ersten schweren samsonischen Salven einschlugen.

Der Kampf hatte begonnen.

*

Der Rest des Verbands kehrte zurück nach NEW BERLIN.

Stille herrschte in der Zentrale, als Vanessa den Sicherheitscode für den freien Anflug sendete, Stille herrschte als das Schiff in den Röhrenhangar der Rebellenbasis sank und Stille herrschte als der Antrieb von ROT-2 auf einer der Hauptlandeplattformen schließlich erstarb.

Die Stille der Trauer herrschte. Quentin Xener war tot. ROT-1 war abgeschossen worden. Zu schnell war ein Geschwader von samsonischen Großkampfschiffen dem Konvoi zu Hilfe geeilt.

Stille herrschte - in ROT-2 und in ganz NEW BERLIN. Eine bleierne, betäubende Stille. Die Rebellen trauerten. Doch in mir war da noch mehr als bloße Trauer.

Ich und Jimmy waren die letzten, die das Schiff verließen und stumm nebeneinander die Rampe hinabschritten.

Unvermittelt hielt er mich am Arm fest und zog mich zu sich herum Doch ich sah ihn nicht an in diesem Moment. Mein Blick war starr auf den Boden zwischen uns gerichtet.

"Versteh doch", seine Stimme war kraftlos und unsicher. "Ich muss es tun."

"Ja, natürlich", hörte ich mich flüstern. Dann riss ich mich mit einer ruckartigen Bewegung von ihm los und verließ mit hastigen Schritten das Landedeck. Ich ließ ihn dort stehen, bei seinem Schiff, in seiner Basis, bei seinem Kampf.

Es war das letzte mal, das ich ihn gesehen habe, die letzten Worte, die ich zu ihm gesprochen habe. Einen Tag später verließ ich ohne eine weitere Erklärung mit einem Transporter die Basis und kehrte nicht wieder zurück.

Quentin Xener war tot.

James Gonner war der neue Anführer der Rebellen im Raumbereich NEW BERLIN. Nichts würde jemals wieder so sein wie vorher.

 

6. NEW BERLIN

Gucky beobachtete Laura Banks stumm aus dem Hintergrund. Er wirkte ruhig, fast unbeteiligt an dem aktuellen Geschehen, doch in ihm herrschte hektische Aktivität.

Er sog seine Umgebung mit seinen paranormalen Sinnen in sich auf.

Laura war ihm inzwischen sehr vertraut. Normalerweise blieb er seiner Überzeugung treu und spionierte die Gedanken anderer Wesen nicht ohne deren Einverständnis aus. Doch auch der Mausbiber hatte sich in den letzten Tagen in einer besonderen Ausnahmesituation befunden.

Seine Ankunft in diesem Universum hatte mit lebengefährlichen Verletzungen begonnen. Sogar ein Herzstillstand war die Folge davon gewesen. Doch die Besatzung der ENTERPRISE hatte ihm das Leben gerettet. Dann während seiner Genese hatte er die Erfahrung gemacht, dass seine Parafähigkeiten verrückt spielten. Er hatte sie zeitweise nicht unter Kontrolle gehabt. In dieser Phase waren die Gedanken der ENTERPRISE-Crew ohne seinen direkten Willen auf ihn eingeströmt.

Und dann war Laura Banks aufgetaucht und hatte ihn damit konfrontiert, dass es in diesem Universum weitere Angehörige seines Volkes geben musste, welche in seinem Universum längst ausgestorben waren. Er hatte es nicht verhindern können in diesem Moment in die Gedankenwelt der Piratin einzudringen und seine ganz persönliche Art der Nachforschung anzustellen. Doch außer einer ehrlichen, tiefen Verehrung, ja geradezu Vergötterung seiner Person hatte er keine konkreten Hinweise auf das Volk der Mausbiber finden können.

Bei seinen Nachforschungen war er jedoch mit der Gedankenwelt Lauras und ihrem Charakter zwangsweise sehr vertraut geworden.

Der Mausbiber gab das zwar selten zu, aber es gab gewisse Kategorien in die er andere Wesen einteilte. Eine dieser Kategorien war der potenzielle Kraulfaktor eines Gegenübers. Gucky wusste inzwischen das er sich gerne in Lauras Schoß legen würde um sich Kraulen zu lassen - eine überaus hohe Auszeichnung von der Laura Banks jedoch noch nichts wusste und was sie sicherlich auch momentan noch zutiefst irritiert hätte. Welcher "Gott" wünschte sich schon von seinen "Untergebenen" das sie ihm den Nacken graulten?

Der Mausbiber hatte sich bisher bewusst im Hintergrund gehalten. Er wollte verhindert das der erste offizielle Kontakt mit den Rebellen, durch die Anwesenheit eines vermeintlichen Gottes verfälscht wurde. Natürlich funktionierte diese Taktik nur in den ersten Sekunden. Zu auffällig war die markante Gestalt des kleinen Mausbibers. Die Piloten der Begleitjäger, von denen sich einer als Charles Hallow vorgestellt hatte, entdeckten Gucky als erstes. Da half es auch nichts, dass er sich nach dem Verlassen der BOUNTY zunächst diskret hinter Bull und Riker gehalten hatte.

Die selbstbewusste, offene Art der Piloten wandelte sich. Kinnladen klappten nach unten. Ungläubiges Staunen schlug Gucky entgegen, dessen einzige Reaktion ein unsicheres Grinsen war, bei dem der Nagezahn nur zur halben Pracht erstrahlte.

Kein guter Auftritt für den selbsternannten Retter des Universums. Umso dankbarer war er, als Laura Banks die Aufmerksamkeit wieder auf sich zog.

Ihr Auftritt war wesentlich, nun, Gucky bezeichnete es für sich als selbstbewusster. Diplomatisch gesehen war es in jeder Beziehung eine Katastrophe. Aber nur Laura Banks, James Gonner und der Mausbiber kannten die wahren Gründe, weshalb der wichtigste Entscheidungsträger der Rebellenbasis von Lauras Schlag getroffen unsanft über den Boden schlitterte.

Alle Blicke konzentrierten sich schlagartig auf James Gonner. Keiner wagte ein Wort zu sagen. Benommen blieb der Führer der Rebellen kurz liegen und rührte sich nicht mehr. Doch nur für Sekunden. Dann richtete er sich stöhnend, auf einen Arm gestützt halb auf, und begann sich die Stelle seines Kinns zu reiben, an der ihn Laura getroffen hatte.

Einer seiner Begleiter reagierte nun und wollte ihm aufhelfen, doch Gonner wehrte ihn mit einer scharfen Bewegung ab. Langsam stand er selbst auf, noch immer sein Kinn massierend und kam dann mit betont langsamen Schritten erneut auf Laura zu, die noch immer an der Stelle stand, von wo aus sie ihn zu Boden geschickt hatte.

Dicht vor ihr blieb er stehen. Auf dem zunächst ausdrucklosen Gesicht erschien von einer Sekunde zur nächsten plötzlich ein Lächeln.

"Willkommen zu Hause. Du schlägst noch genau so hart wie früher."

Sie blickte ihm in die Augen. Doch ein, von ihrem gegenüber erhofftes Lächeln blieb aus.

"Es hat gut getan", sagte sie nur. Dann trat sie einen Schritt zurück und richtete mit einer ausladenden Armbewegung die Aufmerksamkeit auf ihre Begleiter. "Darf ich vorstellen: Die Nebenweltler des Flaggschiffs USS ENTERPRISE."

Sie genoss ihren Auftritt jetzt sichtlich. Schließlich waren die Rebellen seit dem Erscheinen der ENTERPRISE hinter dem Schiff und ihrer Besatzung her. Und nun war es ausgerechnet Laura Banks, die den Kontakt herstellen konnte. Das dabei der Zufall eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hatte, musste man ja nicht unbedingt breittreten.

"Das ist Commander William T. Riker, der Erste Offizier des Schiffes, sowie der Cheftechniker der ENTERPRISE Geordie LaForge und der zweite Offizier Lieutenant Commander Data, ein Androide."

Die Vorstellung der ENTERPRISE-Crew verfehlte ihre Wirkung nicht. Riker trat nach vorne und reichte James Gonner die Hand.

"Es freut mich sie kennenzulernen, Mister Gonner."

"Und das ist Reginald Bull, aus einer weiteren Nebenwelt, einige tausend Jahre fortschrittlicher als unser Universum. Er ist ein Unsterblicher und wurde mit einer kleinen Gruppe weiterer Unsterblicher neben der ENTERPRISE ebenfalls in unsere Welt verschlagen. Einer seiner Weggefährten ist der höchstedle, göttliche Gucky, den ich euch ebenfalls mitgebracht habe."

Ein Raunen ging durch die anwesenden Rebellen. Bull beugte nur den Oberkörper etwas nach vorne und blieb dabei bewusst hinter Riker stehen.

"Hallo zusammen", sagte er nur. Guckys Nagezahn glänzte nun in voller Pracht, wohlwissend das sein "Lächeln" in den Köpfen der Rebellen die einzig wahre und gesichert überlieferte Darstellung eines Göttlichen war.

Bull konnte es nicht verhindern das der Mausbiber nach vorne watschelte, sich neben Laura Banks aufbaute und an James Gonner mit einer wegwischenden Geste gerichtet meinte:

"Halb so wild. Da wo ich herkomme, bin ich ein ganz gewöhnlicher Mausbiber."

...unter Millionen anderen, wollte er schon hinzufügen. Der Gedanke daran ließ seinen Nagezahn wieder verschwinden. Reginald Bull schien seine Gedanken zu erraten, denn er trat nun etwas widerwillig ebenfalls nach vorne um die Situation zu entspannen.

"Wir sollten uns an einem etwas gemütlicheren Ort zusammensetzen."

Gonner konnte seinen Blick nur mühsam von dem kleinen Mausbiber lösen. Doch er hatte sich gut unter Kontrolle. Mit freundlichem Gesicht blickte er schließlich in die Runde. Der provokative Angriff Lauras schien bereits vergessen.

"Selbstverständlich. Kommen sie."

 

*

 

Sie hatten sich in einem Besprechungsraum zusammengefunden. Ein großer, klobiger Tisch beherrschte den Raum. Um ihn waren zahlreiche Stühle verteilt. Das Licht war, wie überall auf der Rebellenbasis, gedimmt. Es vermittelte eine etwas düstere Atmosphäre. Doch die Besucher wussten inzwischen das es aus rein energieökonomischen und ortungstechnischen Gründen so war.

Drei Stunden waren seit dem Eintreffen auf NEW BERLIN vergangen. Nun traf man sich, um das weitere gemeinsame Vorgehen zu bestimmen.

Geordie LaForge hatte die technischen Daten der ENTERPRISE bereits kurz nach dem Eintreffen auf der Rebellenbasis auf Anbitten von James Gonner an die Wissenschaftler der Station übergeben. Der Replikator der ENTERPRISE hatte noch vor dem Abflug der BOUNTY einen Schnittstellenadapter für die Datenträger generiert. Man hatte dabei auf die Informationen Laura Banks zurückgegriffen. Der Datenaustausch mit den Lesegeräten der Rebellenbasis konnte so bereits im Vorfeld sichergestellt werden.

Den Nebenweltern waren Kabinen zugewiesen worden, wo sich jeder zunächst einmal hatte frisch machen können. Lediglich Lieutenant Commander Data, der derlei Annehmlichkeiten nicht benötigte, hatte mit den Technikern und Wissenschaftlern der Rebellenbasis die Auswertung der ENTERPRISE-Daten vorgenommen. Er hatte den Schnittstellenadapter angepasst und bereits unzählige Fragen beantwortet und Unklarheiten beseitigt. Das anfängliche Befremden der Rebellen einem menschlichen Androiden gegenüber, hatte sich schnell verflüchtigt. Den Menschen dieses Universums schienen humanoide Androiden fremd zu sein. Das profunde Wissen Datas in bezug auf Technik sowie naturwissenschaftliche Zusammenhänge hatte in den Gesprächen die Tatsache es mit einer Maschine zu tun zu haben, schnell vergessen lassen.

Auch James Gonner hatte die Zeit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Er hatte eine Staffel von Kampfschiffen zusammengestellt, die der ENTERPRISE entgegenfliegen würde um sie sicher zur Rebellenbasis zu geleiten.

Der Start des Begleitschutzgeschwaders war für unmittelbar nach der ersten großen Besprechnung geplant.

Alle Sitze des Raums waren belegt. Neben James Gonner und drei weiteren Leuten aus seinem Führungsstab, waren zwei Wissenschaftler und zwei Ingenieure der Rebellen anwesend. Natürlich war Laura Banks hier und alle Besucher, die sie mitgebracht hatte.

James Gonner eröffnete die Besprechung mit wenigen Worten, dann erteilte er einem der Wissenschaftler das Wort, der sich in der Folge als Clemon Fantrol vorstellte.

Es war ein kleiner hagerer Mann von 1,65 Metern Körpergröße, mit markanten, fast eingefallenen Gesichtszügen. Seine Haut war extrem bleich, so als hätte er seit Jahren keine Sonne mehr gesehen. Wahrscheinlich war das auch so. Das Haar war schwarz, dünn und schütter, aber gepflegt. Als er sich erhob wirkten seine Bewegungen fahrig, fast unkontrolliert.

Er nestelte an einem Kontrollgerät herum, das in die Tischplatte eingearbeitet war, und im nächsten Moment baute sich ein monofarbiges Holo über der Mitte des Konferenztisches auf.

Es zeigte die USS ENTERPRISE in einer stechend grünen 3D-Darstellung, die sich langsam drehte. Unzählige Diagramme und Zahlenkolonnen liefen um das Schiff herum.

Er blickte kurz in die Runde, dann begann er ohne Einleitung zu referieren:

"Name: USS ENTERPRISE, Länge: 642,5 Meter, Breite: 467 Meter, Höhe: 137,5 Meter, Gewicht: 397,805 Megatonnen, Frachtkapazität: 25,000 Megatonnen, Decks: 42, maximale Geschwindigkeit: Warp 9,3. Das sind die Fakten."

Er deutete mit beiden Händen auf das Holo.

"Niemals zuvor seit es Rebellen gibt, gab es ein so gewaltiges Schiff, das unter menschlichem Kommando stand.

Aber das bezieht sich leider nur auf die Abmessungen. Der erzielbare Überlichtfaktor ist aufgrund der veralteten Warptechnik miserabel.

Das Problem ist die niedrige Energieausschöpfung des auf Materie-/Antimaterie-Technologie beruhenden Reaktorprinzips. Dem entgegen steht die extrem hohe Effektivität der Energienutzung. Wenn wir die Energieerzeuger modifizieren, können wir damit bereits eine Effizienzsteigerung von ungefähr 1200 Prozent erreichen."

"Zwölfhundert Prozent?!"

Geordi La Forge war aufgesprungen. Fassungslos starrte er den Wissenschaftler an. Der blickte etwas irritiert zurück, ließ sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen. Er nickte lediglich.

"Ungefähr. Es handelt sich hier lediglich um eine vorläufige Prognose."

Langsam ließ sich der Cheftechniker der ENTERPRISE in seinen Sessel fallen.

"Nach meinen Berechnungen lediglich 1123 Prozent", flüsterte Data Geordi La Forge zu. Dieser blickte ihn mit unverändert fassungslosem Gesichtsausdruck wortlos an.

"Plusminus drei Prozent", fügte der Androide, durch den Gesichtsausdruck seines Freundes sichtlich verunsichert, hinzu. In seinem positronischen Inneren fügte er außerdem der Datenbank "Menschliche Verhaltensweisen" dem Verzeichnis "nicht-substanz-induzierte psychische Schockzustände" einen weiteren Datensatz hinzu. Geordi fiel in der Folge nicht auf, dass Data seinen besten Freund für keine Sekunde mehr aus den Augen ließ.

Inzwischen hatte Clemon Fantrol einige Tasten der Projektorsteuerung betätigt. Die Außenhülle der ENTERPRISE war verschwunden und das Innenleben wurde im schimmernden Licht der Holofelder sichtbar. In hauchdünnen Linien präsentierten sich die einzelnen Decks dem Betrachter. Ein vielverzweigtes komplexes Netz aus dicken Linien, die ihr Zentrum auf Deck 36 im Maschinenraum hatten, hoben die Energieleitungen des Schiffes deutlich hervor.

"Momentan muss ständig Energie von einem System abgezogen werden um ein anderes auf die maximale Leistungsfähigkeit zu bringen. Das können wir in jedem Fall ändern. Schutzschirme und energiegestützte Offensivsysteme werden eine höchst positive Effizienzsteigerung erfahren.

Neben diesem Manko bietet das Schiff eine überaus bemerkenswerte Manövrierfähigkeit im Unterlichtflug bei dieser Masse, sowie die gegebene Möglichkeit eines kurzfristigen Überlichtflugs ohne vorhergehende Beschleunigungsphasen. Möglich wird dies zum einen durch die spezielle Konfiguration der sogenannten Warpfeldschale, die eine sehr gute Harmonie zwischen Normal- und Hyperraum bietet, sowie der eben bisher sehr geringe Überlichtfaktor, der das Schiff sozusagen sehr sanft in den Hyperraum gleiten lässt. In diesem Zusammenhang seien auch die angewendeten Strukturitätsfelder erwähnt, die einer eingehenderen Prüfung wert sind.

Neben diesen Eigenschaften, weist ihr Schiff", der Wissenschaftler nickte, über den Rand seiner Brille blickend, Commander Riker kurz zu, "einige überaus bemerkenswerte Errungenschaften auf. Da wäre zum einen der sogenannte Replikator, mit dem einfache bis mittelkomplexe Materiestrukturen auf der Basis von Energieumwandlung erzeugt werden können - ein technischer Fortschritt, der uns im logistischen Bereich noch von unschätzbarem Wert sein kann. Und zum anderen ist da - und damit kommen wir zum wichtigsten Punkt - der sogenannte Transporter, mit dem Gegenstände, ob organisch oder nicht, an jeden beliebigen Ort abgestrahlt werden können - eine überaus bemerkenswerte Technologie."

Reginald Bull nickte unbewusst. Selbst in seinem fortschrittlichen Universum, gab es bis heute keine Transmitter, die ohne Gegenstation arbeiten konnten. Sah man einmal von den Fiktivtransmittern übergeordneter Mächte ab. Das Prinzip funktionierte also durchaus, nur war bisher kein Bewohner der Milchstraße auf die richtige Lösung gekommen. Aber so war es ja immer bei neuen Entdeckungen: Am Anfang stand immer eine Idee.

Reginald Bull kam ins grübeln. Oder spielten doch auch die Naturgesetze des jeweiligen Universums eine entscheidende Rolle? War es möglich, dass der Transporter der ENTERPRISE in seinem Universum aufgrund einer minimal abweichenden physikalisch oder auch chemischen Naturkonstante gar nicht funktionieren würde?

Nun, hier in diesem Universum funktionierte dieses technische Konzept jedenfalls; das hatten er und seine Gefährten bereits am eigenen Leib erfahren, als sie kurz vor der Explosion ihres eigenen Schiffes das erste mal an Bord der ENTERPRISE gebeamt worden waren.

Bull schreckte aus seinen Gedanken auf, als bereits James Gonner wieder das Wort ergriffen hatte, und seinen Zeitplan, für das unmittelbare Vorgehen ausführte. Er stockte nämlich mitten im Satz, als Gucky neben Bull plötzlich aufsprang, das der Sessel unter ihm bis an die Rückwärtige Wand schlitterte und dort mit einem unschönen Krachen zur Ruhe kam.

Er blickte entschuldigend in die Runde und mit einem kurz gepiepsten "Ich muss weg!" verschwand er per Teleportation.

Erstauntes Gemurmel erklang und in der nächsten Sekunde richteten sich alle Blicke im Raum fragend auf Reginald Bull.

Dieser konnte nur einen Fluch hinunterschlucken und sagte dann lediglich: "Das macht er manchmal. Kein Grund zur Sorge."