Zwischenbericht - Laura Banks

Laura Banks - Der alte Mann

Der Transporter, der mich von NEW BERLIN und von meinem bisherigen Leben weggebracht hatte, war auf dem dritten Planeten eines Doppelsternsystems gelandet, das wir als Orion-Delta bezeichneten. In den offiziellen samsonischen Sternenkarten war es lediglich als Nummer 34.286 geführt, deren Hauptwelt die simple Nummer 34.286-3 hatte. Ihre Bewohner nannten ihre Welt Topsid, doch das interessierte mich nicht. Die Registriernummer Samsalas für diese Welt war mir sympathischer. Sie machte diese Welt zu etwas gewöhnlichem, etwas unbedeutendem, zu einer Nummer eben. Ich wollte auch zu einer dieser Nummern werden - unbedeutend und unbeachtet.

Wir hatten auf 34.286-3 in Din-Kop, der zweitgrößten Stadt des Planeten einen gut ausgebauten Rebellenstützpunkt, der neben seiner primär logistischen Funktion - Din-Kop war das Handelszentrum des Planeten - auch rege Untergrundaktivitäten betrieb. Im Laufe der Zeit hatten wir Menschen geradezu perfekte Verschleierungstechniken entwickelt. Eine Spezialität war es falsche Identitäten zu entwickeln, die es ermöglichten die Welten Samsalas zu infiltrieren. Unter den Rebellen gab es wahre Meister im Fälschen von Ident-Cards und der Herstellung von Ganzkörpermasken. Es erleichterte mir meinen Ausstieg aus dem Rebellenleben ungemein. Trotzdem wollte ich möglichst schnell weg von 34.286-3. Der Grund war eben dieser Rebellenstützpunkt. Ich konnte so keinen Schlussstrich ziehen, wenn ich die Rebellenorganisation immer im Rücken hatte. Aber neben der kostenlosen neuen Identität war ich letztlich mittellos.

So verbrachte ich drei Monate dort, bis ich Herold Schimmer traf. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich natürlich noch nicht, dass er der zweite Mann nach James Gonner sein sollte, der mein Leben verändern würde.

Ich hatte mich in meiner Maske als Vulkanierin mit Hilfsarbeiterjobs am Raumhafen Din-Kops durchgeschlagen. Die einerseits sehr impulsiven, andererseits extrem in sich gekehrten Vulkanier waren eine sehr beliebte Rasse unter den Rebellen. Durch ihr kontroverses Wesen, war man an unvorhersehbare Reaktionen bei den Vulkaniern gewohnt. Ihre zurückgezogene Lebensweise machte Einzelgänger in ihren Reihen nicht auffällig. Irgendjemand hatte einmal behauptet, dass die Vulkanier früher anders gewesen waren, aber das interessierte mich nicht weiter. Nur das Jetzt zählte zu dieser Zeit für mich. Ich wollte von der Vergangenheit nichts mehr wissen, und mir keine Gedanken um das Morgen machen.

Routine umfing mich, in die ich mich gerne fallen ließ. Tagsüber bediente ich Lastenroboter und checkte Frachtlisten, abends ergab ich mich den zahlreichen Holoprogrammen in meiner angemieteten Einzimmerunterkunft. Und doch nahm mir meine neu gewonnene Alltäglichkeit nicht meine nächtlichen Alpträume. Verbissen versuchte ich zu vergessen, das Rebellenleben, James Gonner. Ich war mir sicher keinen neuen Sinn im Leben finden zu können, solange ich noch derart in der Vergangenheit verwurzelt war.

Herold Schimmer rettet mir das Leben - in vielerlei Hinsicht; aber das begriff ich erst sehr viel später.

Ich wollte weg von 34.286-3. Das war das einzige Ziel, das ich zu dieser Zeit hatte. Eine Absicht, die einmal mehr seine Bestätigung fand, als mich der Rebellenuntergrund Topsids kontaktierte. Sie machten mir ein Angebot, das mir genau diese Möglichkeit eröffnete. Doch dafür musste ich einmal mehr für die Rebellen arbeiten. Die Prämie, die sie mir für diesen Auftrag allerdings in Aussicht stellten, würde es mir ermöglichen jeden Planeten der Galaxis zu bereisen, den ich für sinnvoll hielt. Also nahm ich an; zumal der Auftrag relativ simpel schien. Ich sollte lediglich ein Paket an ein Schiff auf dem Raumhafen zustellen, auf den ich durch meinen Job uneingeschränkten Zugang hatte.

Es war mir ein Leichtes, das Paket am Zoll vorbei auf das Raumhafengelände zu bringen. Das Schiff hieß BOUNTY. Seinen Standplatz ermittelte ich über ein Hafenterminal in das ich mich als Angestellte problemlos einloggen konnte. In einer Arbeitspause wollte ich den Botengang erledigen und tatsächlich fand ich die BOUNTY dort, wo sie auch stehen sollte. Das Schiff war ein Wrack. In seiner Grundform ein Deltaflügler, schien es keine Stelle an dem Raumer zu geben, an dem nicht schon herumrepariert worden war. Trotzdem gefiel mir das Schiff irgendwie auf anhieb. Es hatte seinen eigenen Charme, ganz ohne Zweifel..

Als ich mich der BOUNTY auf weniger als zehn Meter genähert hatte, öffnete sich vor mir die Hauptschleuse. In abwehrbereiter Haltung, keine Sekunde meine Nahkampfausbildung bei den Rebellen vergessend, betrat ich das Schiff. Der schmale Gang zur Zentrale schien gleichzeitig als Lagerraum mitbenutzt zu werden. Überall lagen und hingen in simplen Netzen, Pakete, Ersatzteile und Verpflegung herum. Links und rechts des Ganges waren Türen, die jedoch allesamt geschlossen waren. Lediglich das Schott zur Zentrale stand offen.

"Komm herein", rief mir von dort eine tiefe, sonore Stimme entgegen. Als ich die Zentrale betrat empfing mich ein uralter, ungetarnter Mann. Ich hatte bis dahin niemals einen so alten Menschen gesehen. Er mochte bestimmt über hundert Jahre alt sein, so erschien es mir zumindest. Ich ließ mich jedoch nicht irritieren. Ich hatte einen Auftrag hier zu erledigen - mehr nicht.

"Es ist gefährlich ohne Tarnung auf dieser Welt, alter Mann."

"Setz dich", erwiderte er nur ohne auf meine Bemerkung einzugehen. Dabei deutete er mit seinen faltigen, mit Altersflecken übersäten Händen auf den Copilotensessel.

Ich blickte ihn an. Die flinken Augen schienen nicht zu dem trägen Äußeren passen zu wollen.

"Nein danke", ich schüttelte den Kopf. "Keine Zeit. Hier ist das Paket. Ich muß gehen."

"Setz dich", wiederholte er ruhig, als hätte er meine Worte nicht gehört.

Ohne es zu wollen, einen verstohlenen Blick zu dem offenstehenden Schott werfend, setzte ich mich. Wohlwollend nahm er es zur Kenntnis. Dann begann er übergangslos zu sprechen.

"Eine Tarnung ist nur dann wichtig, wenn man zu wenig Informationen über das hat, was um einen herum geschieht. Laura Banks, nicht wahr?"

Er quittierte meinen überraschten Blick mit einem Lächeln.

"Du warst unvorsichtig, Mädchen. Ich weiß zum Beispiel, dass die Hafenverwaltung dich seit einigen Tagen beobachten lässt. Sie hat auch deinen Zugriff auf das Hafenterminal registriert, an dem du meinen Liegeplatz abgerufen hast, und sie wissen, dass du ein Paket am Zoll vorbei auf das Hafengelände geschmuggelt hast."

Alarmiert sprang ich aus dem Sessel hoch.

"Setz dich", bekam ich erneut zu hören. "Bei einem Alarmstart mit meiner guten alten BOUNTY, empfiehlt es sich nicht gerade ungesichert herumzustehen."

 

8. Kadetten

Captain Jean-Luc Picard erwachte dort, wo er unvermittelt eingeschlafen war: Auf dem Gang vor seiner Kabine.

Q, schoss ihm der Gedanke wie ein brennendes Fanal durch den Schädel. Doch die Erinnerung versank unter den hämmernden Schlägen in seinem Kopf. Die Schmerzen waren so extrem, das ihm schwindelte, er befürchtete sich in den nächsten Sekunden auf den Gang übergeben zu müssen. Doch mit jeder Sekunde, die qualvoll verstrich, konnte er mit den Kopfschmerzen besser umgehen, und ihm schien das sie langsam aber stetig schwächer wurden.

Sein Blick klärte sich als er sich stöhnend erhob. Er musste sich an der Wand hochziehen. Auf wackligen Beinen realisierte er den Rotalarm anhand der rotpulsierenden Wandsignalanlage. Im Rhythmus des Aufleuchtens des Rotalarms hallte die akustische Signalfolge durch den Gang, die den Alarm überdeutlich in seinen Schädel brannte.

"Computer", rief er, und seine eigenen Worte hallten in seinem Schädel nach wie Feuerkugeln, die von einer Schädelwand zur anderen schlugen - immer und immer wieder. "Akustischen Alarm deaktivieren! Sofort!"

Mit seinem charakteristischen Piepsignal akzeptierte der Computer Picards Anweisung als die des obersten Befehlsträgers an Bord des Schiffs und deaktivierte den hörbaren Rotalarm für die ENTERPRISE.

Ruhe umfing ihn. Es war wie eine Erlösung und er glaubte sich schlagartig besser zu fühlen. Mit sich klärenden Blicken sah er die Gangbiegung entlang und erkannte ein Beinpaar. Mit unsicheren Schritten ging er zu der Person. Es war ein junger Fähnrich. Picard fühlte seinen Puls und stellte erleichtert fest, das der junge Mann lediglich bewusstlos war. Jeder Versuch in aufzuwecken scheiterte jedoch.

Schließlich lies er den Mann liegen und schleppte sich weiter. Sein Ziel war die Brücke seines Schiffes. Nur dort konnte er wirklich etwas bewirken.

"Computer", zwang er sich erneut zu sprechen. "Status des Schiffes."

Abermals erklang das Bestätigungssignal. Dann explodierte die weibliche wohlmodulierte Stimme des Computers in seinem Bewusstsein.

"Schadensprotokoll negativ. Keine Verluste unter der Besatzung. Das Schiff ist allerdings steuerlos. Notprotokoll Alpha ist aktiviert."

"Gut", dachte Picard mehr als das er es sagte. Das Notprotokoll Alpha trat in Kraft, wenn keiner der Führungsoffiziere oder aber delegierte Mannschaftsmitglieder auf den Rotalarm reagierte. Das Schiff ging dann automatisch auf Autopilot, der die Fluglage stabilisierte und auf Defensivbewaffnung, was bedeutete, dass sich die Schutzschirme aktivierten. Außerdem wurde ein Notsignal an die Sternenflotte gesendet.

Schockartig wurde Picard die Konsequenzen dieses Vorgangs bewusst. Die ENTERPRISE hing bewegungslos irgendwo im Raum und sendete ein permanentes Notsignal an eine Sternenflotte, die es in diesem Universum nicht gab. Es war klar, wer früher oder später auf diese Signale reagieren würde. Die Situation hatte sich schlagartig verschärft.

Er wies den Computer an, das Notsignal sofort zu deaktivieren, und stürmte mit noch immer unsicheren Schritten auf den nächsten Lift zu, der ihn auf Deck 1 bringen würde.

Es schien eine Ewigkeit zu vergehen bis er, an weiteren bewusstlosen Besatzungsmitgliedern vorbei, den Lift endlich erreichte. Aufatmend betrat er die Kabine und ließ sich mit dem Rücken gegen die Wand sinken. Erleichtert spürte er, wie sich der Lift in Bewegung setzte.

Als er nur für Sekunden die Augen schloss, blitzte das Gesicht Q’s wieder vor seinem inneren Auge auf. Picard war sich absolut sicher, dass das Überwesen tatsächlich hier an Bord seines Schiffes war. Q war nicht nur ein Fantasiegebilde dieses erzwungenen Alptraums, Q war ein aktives Element darin gewesen, wenn nicht sogar der Urheber des Ganzen. Doch obwohl es seinem Wesen durchaus entsprochen hätte diese Scharade zu inszenieren, verwarf Picard dies Annahme schnell wieder. Es widerstrebte ihm zwar, doch der Captain der ENTERPRISE musste sich eingestehen, dass Q ihn wohl aus der Alptraumwelt herausgezogen hatte, ihm wahrscheinlich sogar seinen Verstand gerettet hatte.

Picard erschauerte bei dem Gedanken daran wie dicht er an einem Abgrund gestanden hatte. Nur noch ein kleiner Schritt und er wäre in die Untiefen des Wahnsinns gestürzt, hilflos, haltlos. Q hatte ihn gehalten. Das Überwesen hatte damit einmal mehr sein Faible für den Menschen Picard demonstriert, einem Umstand, dem der Captain der ENTERPRISE bisher immer nur mit einer gewissen hilflosen Ablehnung begegnet war.

Die Tatsache, dass Q nicht für die aktuelle Lage verantwortlich war, klärte jedoch nicht, was er hier zu suchen hatte, und sie schloss auch nicht aus das er für die Versetzung der ENTERPRISE in dieses Universum verantwortlich war. Eine Möglichkeit, die unbedingt, nicht zuletzt mit dem Überwesen selbst, geklärt werden musste; doch nicht jetzt. Es galt unmittelbarere Probleme zu lösen.

Picard konnte nicht erwarten das Q außer ihm noch anderen beim Ausbruch aus der Traumwelt eines zweifellos feindlichen Aggressors geholfen hatte. Es lag nicht in seiner Art eine Situation zu klären oder gar zu retten. Q erfreute sich lediglich daran neue Komponenten in einen Handlungsablauf zu streuen. Diese Komponente war in diesem Fall die Erweckung Picards gewesen. Das war ihm klar, und wieder einmal kroch die Wut in ihm darüber hoch von Q benutzt zu werden.

Picard wurde aus seinen Gedanken gerissen, als sich die Lifttüren zischend öffneten. Doch der Captain der ENTERPRISE blickte nicht auf seine Brücke, sondern in das Gesicht Michael Rhodans, der schwer atmend, sich mit einem Arm an dem Türrahmen abstützend, auf Deck fünf ebenfalls in den Aufzug wollte.

"Sie?", rief Picard überrascht aus, und zuckte unter der Lautstärke seiner eigenen Stimme zusammen. "Wie konnten Sie erwachen?"

"Tja", entgegnete Mike Rhodan mit einem gequälten Gesichtsausdruck. "Ihre Gäste sind eben immer für eine Überraschung gut. Darf ich?"

Ohne eine Antwort abzuwarten, schob sich Mike zu Picard in den Aufzug.

"Ich nehme an, Sie wollen auch in die Zentrale, Captain."

"Allerdings. Aber was wollen Sie dort."

Der Sohn Perry Rhodans massierte sich die Schläfen, während er Picard mit einem schiefem Lächeln anblickte.

"Glauben Sie mir, Captain, Sie können jede Hilfe gebrauchen, die Sie bekommen können."

Als sich der Lift wieder in Bewegung setzte, musste sich auch Michael Rhodan an der Wand abstützen. Doch er spürte mit jedem einzigen wilden Pochen des Zellaktivatorchips in seiner Schulter, wie die Nachwirkungen der paranormalen Beeinflussung zurückgedrängt wurden. Picard hatte diese Hilfe nicht. Einmal davon abgesehen das ihm nicht klar war, weshalb ausgerechnet der Captain der ENTERPRISE es geschafft hatte, sich aus der Traumwelt des fremden Aggressors zu befreien, stieg seine Achtung vor Picard. Der Mann musste sich hundeelend fühlen, doch er hielt sich auf den Beinen.

Endlich erreichten sie die Brücke des Schiffs, und das erste, das Mike sah, war sein Vater, der, sich an der Haupt-Sichelkonsole abstützend, auf den Schiffscomputer einredete.

Als er seinen Sohn erblickte, huschte für Sekunden der Ausdruck tiefer Erleichterung über sein Gesicht. Picard registrierte das nur am Rande. Mit schnellen, wenn auch wankenden Schritten ging er nach unten zu seinem Sessel. Schwer atmend ließ er sich darin nieder, jedoch nicht um sich zu erholen. Sofort aktivierte er die Kommandokontrollen. Über eine Minute überflog er Werte, machte Eingaben.

"Ich habe es versucht", sagte Rhodan über ihm von der Sichelkonsole her, "aber der Computer ließ keine Eingabebefehle meiner Person zu. Der Funkspruch könnte zu einem Problem werden."

Picard hörte Rhodan kaum. Er nahm auch nur am Rande wahr, dass sich die Lifttüren erneut zischend öffneten, und der Atlan die Brücke betrat.

"Das war hart", sagte Rhodan zu einem seiner ältesten Weggefährten, als sich dieser neben ihm, an der Sichelkonsole abstützte.

"Frag mich mal", winkte der Arkonide ab. "Ich musste eure halbe Weltgeschichte nochmals durchkauen. Wenigstens zehntausend Jahre sind Dir schon mal erspart geblieben."

Er grinste gequält. Natürlich wusste er, dass sie beide - und auch Mike - mehr als genug in ihrem unsterblichen Leben erfahren hatten, dass es für tausend derartige Foltertouren genügt hätte.

In diesem Moment erhob sich Picard aus seinem Sessel.

"Ich nehme einmal an, sie sind soweit einsatzfähig, meine Herren. Mister Rhodan, ich brauche Sie an der Steuerung. Mister Atlan, gehen Sie bitte in den Maschinenraum, weitere Anweisungen erhalten Sie dort. Und Sie, Mister Rhodan" - er blickte Mike an - "sind bitte so freundlich und gehen auf die Krankenstation. Versuchen Sie Doktor Crusher aufzuwecken."

Der Captain der ENTERPRISE hatte gesprochen. Er hatte keine Diskussion eröffnet, sondern Befehle erteilt. Keiner sah einen Grund, sie nicht auszuführen.

"Gerne Captain", sagte Rhodan nur, was wie eine Bestätigung seiner Gefährten war, sich mit einem kurzen Nicken ebenfalls in Bewegung setzten.

Picard setzte sich wieder in seinen Sessel. Nur ein kurzes, etwas zu heftiges Atemgeräusch zeugte davon, dass sich der Captain der ENTERPRISE noch immer alles andere als wohl fühlte. Dann gab er dem Computer Befehle, welche die Unsterblichen endgültig über den Status von Gästen hinaus hob. Er aktivierte Kommandoautorisationsprotokolle für alle Drei, welche dafür sorgten, dass der Schiffscomputer Befehle der Unsterblichen akzeptierte und ausführte. Unvermittelt waren sie zu Kadetten auf dem Föderationsschiff ENTERPRISE geworden, waren in den Dienst einer terranischen Sternenflotte eines fremden Universums getreten, um in einem weiteren Universum zu überleben.

Rhodan ließ seinen Blick kurz durch den Raum gleiten. Für Sekundenbruchteile blitzten Bilder vor seinem geistigen Auge auf, die ihn in die domartigen Zentralen seiner Schiffe versetzte. Schiffe, die er in seinem langen Leben bereits kommandiert hatte. Er sah gewaltige blinkende Positronikwände, hoch wie mehrstöckige Häuserfasen. Er sah Kommandoholos, groß wie Beiboote der ENTERPRISE, er sah Rundgalerien dreißig Meter über sich, voll mit Terranern. Er sah Frauen und Männer auf Liegen unter glänzenden SERT-Hauben. Für ein paar kurze Augenblicke betrat der die SOL, die CREST IV und die BASIS und fand sich schließlich auf einer engen Liege wieder, keinen Meter vor sich die Kommandokontrollen seiner STARDUST-Rakete mit der er als erster Mensch auf dem Mond landen sollte. Perry konnte nicht verhindern, dass ein versonnenes Lächeln über sein Gesicht huschte. Man hatte vielleicht seinen Platz in der Geschichte, aber den Platz in der Gegenwart musste man sich jeden Tag neu suchen.

Dann fiel sein Blick zurück in die Gegenwart, auf den Captain dieses Schiffes links hinter ihm im Sessel der hiesigen Schiffsführung.

Der Captain der ENTERPRISE erwiderte den Blick nur kurz.

"Wir müssen das Schiff hier wegbringen", sagte er lediglich.

Rhodan nickte einfach. Dann wandte er sich seinen Kontrollen zu. Bereits am zweiten Tag nach ihrer Ankunft an Bord dieses Schiffes hatte er sich mit den grundsätzlichen Brückenkontrollen des Raumers vertraut gemacht. Er konnte die Manövriermöglichkeiten der ENTERPRISE zwar nicht ausreizen, aber er traute sich zu das Schiff zu fliegen.

Während Rhodan begann sich mit den bunten Eingabefeldern auf dem Terminal vor sich vertraut zu machen, schreckte ihn ein durchdringendes Piepsen auf. Ein automatischer Sensoralarm zeigte dem Captain akustisch, sowie optisch an den Kontrollen in der Armlehne seines Sessels an, dass sich im umgebenden Raumbereich der ENTERPRISE etwas verändert hatte. Picard überprüfte zunächst seine eigenen Sesselanzeigen, dann sprang er auf und kam zur den Hauptnavigationskontrollen an der Station links von Rhodan. Auch dort nahm er Schaltungen vor. Augenblicke später erschien auf dem Hauptschirm vor ihnen das Bild des freien Weltraums in dessen Zentrum sich drei glimmende Punkte kaum merklich bewegten.

Picard betätigte erneut einige Tasten und das Zentrum des Schirms wurde herangezoomt. Vor Rhodans Augen expandierten die drei Punkte plötzlich zu Raumschiffen der samsonischen Ordnungsmächte, umgeben von einem Lichtkranz der rückwärtigen Strahltriebwerke. Die Schiffe hielten genau auf die ENTERPRISE zu.