Epilog I – Laura Banks
Laura Banks – Der Unsterbliche - Abschlussbericht
Bevor ich auf Reginald Bull traf, war ich zufrieden. Ich hatte mir mein Leben eingerichtet. Es gab mich und es gab den Rest des Universums, und das eine hatte mit dem anderen nichts weiter zu tun, als das ich mir von diesem Rest das nahm, was ich benötigte. Ich war zufrieden, bis ich auf diese Nebenweltler traf.
Wenn Menschen in dein Leben treten, dann verändern sie es. Das ist immer so. Wenn Du Glück hast, dann musst Du dich nur mit ihnen herum ärgern, wenn Du Pech hast, dann liebst Du sie.
Wenn du die Menschen draußen lässt, kannst du diesen Rest des Universums sehr gut sich selbst überlassen.
Ich war zufrieden, dachte ich, bis ich Reginald Bull traf.
Ich wollte dieses Schiff ENTERPRISE mit seinen Nebenweltlern ebenso schnell wieder verlassen, wie ich vor Jahren die BOUNTY möglichst schnell wieder hatte verlassen wollte.
Seit Harold Schimmer hatte ich nicht mehr mit einem Menschen geredet – ich meine wirklich geredet. Reginald Bull redete mit mir.
Aber es waren nicht nur seine Worte - es waren seine Augen, in denen ich mich verlor. Diese Augen, die jedes einzelne, beschwörende Wort zu einem brennenden Fanal in meinem Geist machte. Verstehen, Gewissheit, unumstößliche Wahrheit erfüllte mein Bewußtsein. Diese nie wirklich verheilte Wunde über der Leere in meinem Geist, brach auf. Doch es schmerzte keineswegs, denn die Leere füllte sich übergangslos mit einem neuen Sinn, mit neuen Zielen. Diese Präsenz der Unsterblichkeit öffnete, erweiterte den Blick auf die Dinge und das Leben an sich.
Bevor ich mit Reginald Bull sprach, hatte ich geglaubt zufrieden mit mir und Rest dieses Universums zu sein. Ich hatte mich geirrt.
Epilog II - Mutter
Gucky materialisierte in einer düsteren Umgebung. Keiner der Leuchtkörper in Wänden und Decke des etwa zwanzig Quadratmeter großen Raums war aktiviert.
Er war instinktiv teleportiert. Ein eigentlich vollkommen gewöhnlicher Vorgang für den Multimutanten, doch noch immer schien er unter den Nachwirkungen des Dimensionswechsels zu leiden. Schwindel befiel ihn für Sekunden. Er war nicht einfach materialisiert, sondern seine Muskeln schmerzten. Es war, als hätte er sich aus vollem Lauf in die Bewegungsrichtung gestemmt um zum Stillstand zu kommen.
Der Mausbiber war unmittelbar hinter dem Eingangsschott erschienen. Raumdominierend war die Terminalwand ihm direkt gegenüber. Die Anzeigen, Kontrollschirme und flackernden Holos waren dafür verantwortlich, das die Szene nicht in völliger Dunkelheit versank.
Vor dem Terminal befand sich ein kleiner, unförmiger Sessel. Gucky konnte nicht sehen das jemand darin saß - er konnte es jedoch fühlen. Die Person war präsent wie ein gewaltiges Leuchtfeuer in der Dunkelheit, das ihn letztlich dazu veranlaßt hatte diesen Raum aufzusuchen.
Keine zwei Meter vor sich konnte Gucky den fahlen Schimmer eines Schutzschirms erkennen, der ihn von dem Rest des Raumes und somit von seinem unbekannten Gegenüber trennte. Die Luft flimmerte leicht an den Rändern, dort, wo das Schirmfeld die Wand fugenlos berührte. Wenn der Mausbiber den Kopf bewegte, konnte er an den Übergängen leichte optische Verzerrungen erkennen. Unmittelbar hinter dem Schirm veränderten Wände, Boden und Decke ihre Richtung und liefen leicht aufeinander zu, sodass die Wand an der Gucky stand, wesentlich Größer war, als die ihm gegenüber.
„Du bist also tatsächlich ein Göttlicher.“
Die eigentlich überaus sanfte Frauenstimme ließ den Mausbiber dennoch zusammenzucken. Aber es war nicht die Stimme, sondern die Tatsache das ihn die Worte überrascht hatten. Denn obwohl er bereits seine telepathischen Fühler ausgestreckt hatte, hatte er die Gedanken, die den Worten immer vorauszueilen pflegten, nicht vernommen. Er konnte die fremde Person, keine fünf Meter vor sich, parapsychisch einfach nicht erfassen. Ganz zu Beginn, bei dem ersten Kontakt, als er sich noch im Konferenzsaal befunden hatte, waren die Impulse deutlicher gewesen. Gucky hatte sie in ihrer Art sogar als irgendwie vertraut empfunden. Er versuchte sich daran zu erinnern welche Art von Vertrautheit es gewesen war, doch er kam nicht darauf. Er mußte wohl zu konventionellen Mitteln greifen, um mehr über die Person hinter dem Schutzschirm zu erfahren.
„Nun“, begann er mit erzwungen ruhiger Stimme zu piepsen, „eigentlich bin ich ein ganz gewöhnlicher Mausbiber.“
Ein herzhaftes Lachen erklang von jenseits des Schirms. Dabei wurde Gucky schlagartig klar, daß er es bei der Frauenstimme, lediglich um einen Computerinterpreter der tatsächlichen Stimme zu tun hatte. Die Worte des Unbekannten wurden also übersetzt, oder aber lediglich verfremdet um die wahre Natur des Fremden zu verschleiern.
„Wer bist Du?“ fragte Gucky mit einer kaum noch erträglichen Neugier. Er musste sich beherrschen, nicht telekinetisch nach dem Sessel zu greifen, und ihn herumzuwirbeln. Mit dem Instinkt eines Unsterblichen wurde ihm immer klarer, daß er hier an einer großen Sache dran war. Hier, hinter diesem flimmernden Schirm gab es Antworten - Antworten nicht nur auf seine Fragen.
„Ich bin Mutter.“
„Mutter?“
„Aber ja, mein Kleines...“
Da war sie wieder, diese Vertrautheit. Gucky schüttelte den Kopf als könne er so die Lösung frei schütteln.
„...mein...Kleines...“, murmelte er.
Ein erneutes Lachen ließ ihn zusammenfahren, ein nicht enden wollendes Lachen, das fast schon surreal unter der Modulation der Frauenstimme klang. Die Szene, die sich Gucky präsentierte erschien ihm immer abstrakter. Er sah, hörte und fühlte nur das, was ihm sein Gegenüber präsentieren wollte; und das machte ihn wütend.
„Ein seltsames Universum ist das, in dem Terraner bemuttert werden müssen.“
„Sind sie das nicht in allen Universen? Kinder?“
„Was ist Deine Aufgabe?“ rief Gucky ungehalten, ohne auf die Frage seines Gegenübers einzugehen. „Was tust Du hier eigentlich? Denn recht erfolgreich scheinst Du wohl nicht zu sein, wenn ich mir die Menschen in diesem Universum hier so ansehe.“
Seine Worte waren pure Provokation und wie zu erwarten, war sein Gegenüber intelligent genug nicht darauf hereinzufallen. Trotzdem trat eine für den Mausbiber unerwartet lange Pause ein, bevor der Unbekannte antwortete.
„Ich beobachte sie. Ich wache über sie. Ich lenke sie. Ich versuche ihnen zu helfen, denn sie können jede Hilfe gebrauchen, die sie bekommen können.“
Gucky wurde klar das er so nicht weiter kam.
„Wir sind fremd hier. Wir haben viele Fragen.“
Erneutes Lachen. Diesmal glaubte der Multimutant eine gewisse Bitternis herauszuhören.
„Ja. Die habt ihr immer. Aber ich habe keine Universallösungen für euch. Denn die Lösungen liegen in euch Nebenweltlern selbst.“
Dann begann der Schutzschirm zu flimmern, wurde instabil und fiel schließlich in sich zusammen. In diesem Moment explodierte der vermeintlich kleine Raum vor ihm. Der Ilt stolperte instinktiv rückwärts und fiel haltlos auf den Boden während er sich die Hände auf die großen Ohren presste. Denn eine entsetzliche Geräuschkulisse brach über ihn herein, die ihn an ein zusammenstürzendes Gebäude erinnerte - und das er im nächsten Augenblick als das tatsächliche Lachen seines Gegenübers erkannte. Er kannte diese Art von Tönen, er hatte sie schon so oft in seinem langen Leben gehört.
Als das Geräusch schlagartig erstarb, und der Mausbiber aus tränenden Augen in das Weit einer großen Halle starrte, auf ein Wandterminal das nun über zwanzig Meter vor Ihm lag und einen gewaltigen, klobigen Sessel, der plötzlich fünfmal so groß wie noch vor Sekunden war, da erkannte er die Wahrheit. Und als der Sessel schließlich herum schwang, blickte der Mausbiber auf die gewaltige Gestalt eines Haluters.
E N D E
Der Kontakt zwischen den Nebenweltlern und den Rebellen dieses so fremdartigen Universums wurde hergestellt. Doch Captain Picard ist nicht dazu bereit sein Schiff und seine Crew den Zielen der Rebellen einfach unterzuordnen.
Nach wie vor ist er davon überzeugt, dass der Schlüssel zu vielen Fragen in Sektor 0-0-1 zu finden ist, im Solsystem. Und während die ENTERPRISE umgebaut wird, während ein Haluter Geschichten erzählt und während für jede beantwortete Frage, tausend neue Fragen aufzutauchen, macht sich ein Einsatztrupp aus Menschen dieses Universums und Nebenweltlern auf zu dem Mann, der scheinbar als einziger die Möglichkeit haben könnte nach Terra vorzudringen. Er ist ein Sklave der herrschenden Gesellschaft, der einzige menschliche Pilot der legendären Solarrennen, er ist...
DAS MENSCHLICHE SPIELZEUG