Worf überprüfte die Daten und bestätigte. Doch das war nicht nötig. Atlan wußte schon Bescheid. Der SERUN hatte die Information bereits Sekundenbruchteile vor den Shuttle-Sensoren erkannt und signalisierte die Information als kleine blinkende Warnanzeige, die auf die Innenseite des Helms projiziert wurde. Der Arkonide hatte den Anzug bereits vor dem Landeanflug geschlossen und war somit hermetisch von der Außenwelt abgenabelt.
"Analyse, keine Aktivortung", sagte Atlan nur, was zur Folge hatte, das der Pikosyn des Anzugs die auftreffende Sensorabtastung seinerseits einer näheren Prüfung unterzog ohne seinerseits mittels aktiver Ortung mehr über die Sensoranlagen des Raumhafens in Erfahrung zu bringen. Das Ergebnis seiner Auswertung teilte der SERUN sowohl akustisch mit, wie auch in Form von ablaufenden Zahlenkolonnen und Diagrammdarstellungen auf der Helmscheibe.
Danach war klar das die planetaren Sensoren nicht in der Lage waren, die Antiortungsmechanismen des SERUNS zu überwinden.
Atlan hatte befürchtet, das der höhere Energieausstoß des Deflektorfeldgenerators auffallen würde. Doch scheinbar war diese Technologie hier gänzlich unbekannt, und so würden die charakteristischen Emissionen, die den Dämpfungsfeldern des SERUNS unweigerlich entgingen, nicht im geringsten im energetischen Feuerwerk dieser Großstadt auffallen.
Worf stand auf, überprüfte seine Ausrüstung und trat dann vor Atlan, der sich ebenfalls erhoben hatte. Mit skeptischem Blick betrachtete der Sicherheitschef der ENTERPRISE Atlans SERUN.
Innerhalb der Sternenflotte war der Einsatz von Raumanzügen nicht sehr verbreitet. Natürlich gab es sie, aber durch den relativ geringen Bedarf war die Entwicklung in diesem Bereich nie besonders vorangetrieben worden. Nichts im Universum der Sternenflotte war vergleichbar mit einem SERUN. Hinzu kam noch das scheinbar einfache Äußere im Vergleich zu den klobigen Raumanzügen der Flotte. Das matt silbern schimmernde Oberflächenmaterial des SERUNS lag eng am Körper an und hatte eine durchschnittliche Stärke von nicht mehr als einem Zentimeter. Vollkommen in den Anzug eingearbeitet war der flache Rückentornister mit weniger als zehn Zentimetern Dicke
"Sind sie bereit?"
"Ich folge ihnen wie die Motte dem Licht", sagte der Arkonide grinsend und aktivierte im selben Moment das Deflektorfeld. Gefolgt von einem kurzen elektrostatischen Knistern verschwand er vor den Augen Worfs und Datas.
"Überaus beeindruckend", sprach Data aus, was Worf niemals Atlan gegenüber formuliert hätte.
"Ich hoffe nur, das Sie im Falle einer Fehlfunktion dieses Anzugs nicht ohne diese technischen Spielereien versagen werden", knurrte Worf und blickte dabei an die Stelle, an der Atlan immer noch stehen mußte, wenn er nicht auch noch durch Wände gehen konnte.
"Ich orte übrigens auf mehreren Frequenzen ein dekrementierendes Zeitsignal, dessen Sinn mir bisher verborgen bleibt", bemerkte Data von seinen Konsolen aus.
Atlans SERUN bestätigte die Aussage, und blendete das Zeitsignal in eine Ecke der Helmscheibe. Atlan ließ das Signal umrechnen und in terranischen Werten Anzeigen.
"38 Minuten bis zum Zeitpunkt Null", sagte er. Worf und Data hörten Ihn nicht über externe Lautsprecher des SERUNS, sondern über ihre Kommunikatoren, die sie unter der zivilen Kleidung trugen. Obwohl er sie laut Einsatzplan nicht benötigen würde, trug auch Data zivile, in Brauntönen gehaltene Kleidung.
"38 Minuten und 14 Sekunden, um genau zu sein", bemerkte der Androide und wandte sich dann ungerührt seiner Konsole zu. "Ihre Signale zeichnen scharf in der Ortung. Es besteht jederzeit die Möglichkeit sie an Bord zu beamen. Ich wünsche ihnen viel Erfolg, meine Herren."
"Danke", kam es von dem Klingonen, wie auch von dem Arkoniden wie aus einem Mund.
Der Androide wandte sich ungerührt wieder seinen Kontrollen zu. Es war eine ungewohnte Aufgabe für Data nicht aktiv an einem Außeneinsatz teilzunehmen. Er war sozusagen das dritte Rad am Wagen, und sollte im Beiboot die Stellung halten. Da es sich bei dem Androiden um ein nichtorganisches Wesen handelte, würde er den Scannern der Hafenkontrolle nicht auffallen.
Atlan musterte die kleine Plattform gleich neben der Heckschleuse des Shuttles. Er hatte sich bereits mehrfach gefragt, wie es denn möglich war, daß die Sternenflotte zwar über Fiktivtransmitter also Transmitter ohne erforderliche Empfangs, bzw. Sendestation verfügte, aber in der Raumschiffstechnologie um Jahrtausende hinter den Menschen seines Universums herhinkte. Aber er hatte es vorgezogen diese Frage nicht weiter zu verfolgen, denn ihm war klar, daß er darauf keine Antwort würde finden können.
"Wir gehen", bestimmte Worf und sie verließen das Shuttle. Atlan blieb im Schutz des Deflektorfeldes dicht hinter dem Klingonen, als dieser auf das nächste Hafengebäude zuging. Worf ließ sich durch nichts anmerken, das er einen Begleiter hatte, auch dann nicht als er vor dem chamaschisen Zollbeamten stand.
Das Pelzwesen hinter seiner Theke blickte den Klingonen gelangweilt an als sich dieser vor ihm aufbaute.
"Ihr Schiff hat keine Kennung und auch die Bauweise ist uns unbekannt."
"Das habe ich bereits beim Landeanflug erklärt. Mein Schiff wurde geentert und zerstört, es gelang mir jedoch dieses Schiff", er deutete über die Schulter auf den Raumhafen, "meiner Angreifer zu erobern, nachdem sie mich in den Weltraum stoßen wollten."
Der Zollbeamte musterte ihn skeptisch. "Seltsame Geschichte."
Der über zwei Meter große Sicherheitschef der ENTERPRISE beugte sich nach vorne über die Theke und blickte den kleinen Chamasch scharf an.
"Soll das etwa heißen sie halten Klingonen für Schwächlinge, die zu so einer Tat nicht Fähig wären?" knurrte ihn der Klingone mit einem gefährlich leisem Ton an.
Der Beamte schrumpfte in seiner Zolluniform sichtlich zusammen.
"N...natürlich nicht. Können sie sich ausweisen.?"
"Selbstverständlich nicht! Meine Ident-Card ging mit meinem Schiff in Sternenstaub auf. Deshalb bin ich hier um alles zu regeln. Wo ist die nächste Polizeidienststelle?"
Um nichts in der Welt hätte es der Chamasch riskiert weiter zu Fragen. Er beschrieb Worf den Weg zur Polizei des Hafengebäudes und war heilfroh, als sich dieser damit zufrieden gab ohne ihn zu töten oder zumindest einen Arm zu brechen. Klingonen waren in der ganzen Galaxis berüchtigt für ihre seltsame Vorgehensweise, wenn es darum ging ihren Standpunkt der Dinge deutlich zu machen.
"Tolle Vorstellung", erklang es leise aus Worfs Kommunikator während sich der Klingone durch die Menge in Richtung Ausgang bewegte. Natürlich dachte er nicht im Traum daran zur örtlichen Polizei zu gehen. "Aber wenn das hier nicht eine heruntergekommene Freihandelswelt am Hinterteil des Universums wäre, dann hätten sie sich schon mehr einfallen lassen müssen."
"Es hat funktioniert", knurrte Worf nur. "Halten Sie gefälligst Funkstille."
"Ja, Sir", erwiderte der Arkonide in theatralischem Tonfall. Es war gut, das Worf dabei nicht das feine Grinsen auf Atlans Gesicht sehen konnte. Es war für den alten Arkonidenadmiral eine ungewohnte Rolle einen Risikoeinsatz nicht selbst anzuführen oder zumindest gleichberechtigt teilzunehmen. Aber Atlan nahm es mit Humor. Es gab keinen Grund an der Autorität des Sicherheitschefs eines Schiffes der Terraner zu zweifeln. Diesen Posten bekam man nicht ohne Grund, und schon gar nicht an Bord des Flaggschiffes. Und das sie hier nur wenig zu sagen hatten, hatte er und Rhodan sich schließlich selbst eingebrockt, als sie beschlossen hatten ihren Status zu verschleiern.
Atlan hielt sich dicht hinter Worf. Als sie etwa noch dreißig Meter vor dem Ausgang des Raumhafenareals waren, bemerkte der Arkonide ein Infoterminal. Er wies den SERUN an das Terminal anzuzapfen. Der Pikosyn bestätigte und Augenblicke später hatte die Syntronik eine Verbindung etabliert und begann Infomaterial zur Stadt abzurufen. Als Worf den Ausgang erreicht hatte, waren die Speicher des Anzugs um einen kompletten Stadtplan mit allen wichtigen öffentlichen Einrichtungen reicher. Mehr war aus dem Gerät nicht herauszuholen.
Außerdem startete Atlan ein Subprogramm der Sensorensysteme, welches die lokalen Nachrichtenkanäle sondierte, aufzeichnete, wichtige Informationen ausfilterte und in Form einer Laufschrift in das Helmdisplay einblendete.
"Keine einzige Bibliothek in der gesamten Hauptstadt", raunte Atlan dem Klingonen zu. Der Anweisung folgend hatte er auf Funkkomunikation verzichtet und die Außenlautsprecher seines SERUNS benutzt.
"Wie bitte?" rief Worf unangemessen laut. Ein topsidischer Passant wurde darauf aufmerksam und blickte den Klingonen fragend an. Als dieser jedoch das Echsenwesen mit einem stechenden Blick in Verbindung mit einem leisen Knurren bedachte, wandte sich der Topsider schnell ab und suchte das Weite.
"Es ist mir gelungen einen kompletten Stadtplan zu erhalten", erklärte Atlan ungerührt. "Eine Bibliothek wäre ein idealer Ort gewesen um ungestört an möglichst umfangreiche Informationen zu kommen. Im auffälligen Gegensatz zur Kulturlücke einer Bibliothek steht das Überangebot an Museen. Ich zähle 35. Ich empfehle es zunächst dort zu versuchen."
"Das anzapfen der örtlichen Infosysteme war nicht genehmigt. Unterlassen Sie in Zukunft diese Eigenmächtigkeiten", entgegnete Worf wesentlich leiser. Die Audiosysteme des SERUNS hätten sogar eine nahezu lautlose Sprechweise anhand der Lippenbewegungen erfassen können. "Wo befindet sich das nächste größere Museum?"
Befriedigt registrierte Atlan das Worf ihn zwar wie erwartet zurechtgewiesen hatte, aber trotzdem so flexibel war, den Vorschlag des Arkoniden aufgrund seiner Logik anzuerkennen.
Atlan gab die Anfrage an den SERUN weiter.
"Ich empfehle das Samsalische Nationalmuseum", antwortete der Pikosyn im Bruchteil einer Sekunde.
Der Arkonide meldete die Information an Worf.
"Wenn Sie einen Gleiter nehmen, kann ich ihnen mit meinem Antigrav folgen. Wir... moment."
Atlan war eine Information der Laufschrift ins Auge gefallen, die der Pikosyn farbig blinkend im Helmdisplay hervorgehoben hatte. Es war nur ein Wort:
MENSCH
Im nächsten Augenblick war es auch schon aus dem Sichtbereich der aktuellen Anzeige verschwunden.
Atlan ließ sich die Aufzeichnung des kompletten Berichts wiedergeben. Es handelte sich dabei um eine kurze Meldung auf einer behördlichen Frequenz. Sicherheitseinheiten wurden in einen östlichen Stadtteil beordert, weil dort wohl ein Mensch gesichtet worden war, hinter dem jetzt anscheinend eine ganze Gruppe von Anwohnern her war.
"Mister Worf, ich habe soeben einen Funkspruch aufgefangen nachdem gerade in der Stadt auf einen Menschen eine Hetzjagd veranstaltet wird. Wir müssen... ich bitte um die Erlaubnis uns schnellstmöglich an den Ort des Geschehens bringen zu dürfen."
Wenn Atlan nun eine erneute Predigt über das richtige Verhalten während eines Risikoeinsatzes erwartet hatte, so wurde er enttäuscht. Blitzschnell hatte der Sicherheitschef die Brisanz dieser Meldung erkannt und handelte folgerichtig.
"Genehmigt. Handeln Sie nach eigenem Ermessen", sagte er nur.
Atlan sah sich um. Zur Rechten zog sich die Fassade des Hafengebäudes scheinbar endlos weit dahin. Zu seiner Linken endete der Gebäudekomplex jedoch schon nach wenigen Metern und eine schmale Seitengasse trennte die Hafenanlagen von dem nächsten Gebäudekomplex. Atlan wies Worf in diese Richtung welche dieser mit schnellen Schritten ansteuerte. Gleichzeitig ließ der Arkonide die Seitenstraße auf Bewegung prüfen. Der Pikosyn meldete keinerlei Aktivität in der Gasse. Kaum war Worf um die Ecke gebogen, ereigneten sich drei Dinge nahezu zeitgleich. Atlan griff nach Worf, das Deflektorfeld dehnte sich aus und schloß den Klingonen augenblicklich mit ein, wodurch er übergangslos für seine Umwelt unsichtbar wurde. Zusätzlich aktivierte der Arkonide das Antigravaggregat und die beiden Wesen aus zwei Universen schossen in einem steilen Flugvektor zwischen den Häuserfassaden in den grauen Himmel Quaarims.
*
Sie würden Sie kriegen, die Bestie! Der Bajoraner umklammerte seinen Strahler fester als er an der Spitze der Gruppe um die nächste Ecke bog. Der Mensch konnte noch nicht weit sein, und tatsächlich sah er die huschende Gestalt etwa dreißig Meter vor sich die Gasse entlanglaufen.
"Dort! Dort ist er!"
Schreiend folgte ihm die Gruppe aus über dreißig Männern und Frauen der unterschiedlichsten Rassen in die dunkle Seitenstraße. Nur wenig Licht des düsteren Tages verlor sich hier in der schmalen tiefen Häuserschlucht.
"Bleib stehen, du Mißgeburt!"
Schreiend und schimpfend hetzte der Mob hinter der einsamen Gestalt her, die sich schnell, jeden Winkel ausnutzend vorwärts bewegte.
"Wir kriegen dich!"
Ein Klingone hatte zu de4m Bajoraner aufgeschlossen. Deutlich konnte der er das Jagdfieber in den Augen des kriegerischen Wesens erkennen. Jeder wollte der erste sein. Jeder wollte von sich sagen können einen Menschen gestellt und erlegt zu haben. Es war eine große Ehre von dem pauschalen Kopfgeld, das auf Menschen ausgesetzt war einmal ganz zu schweigen.
Es konnte sich nur noch um wenige Minuten handeln bis die Polizeitruppen eintrafen, und dann würden sie den Fang für sich verbuchen. Das wollte keiner der Verfolger zulassen. Die Beute gehörte ihnen.
"Es ist eine Menschenfrau! Ich habs genau gesehen."
"Unsinn! Es ist ein Männchen. Nur die können so schnell laufen."
"Egal. Machen wir es fertig!"
"Ja... schnappen wir es uns!"
Die Jagd dauerte nun schon über 10 Minuten. Die Füße der Verfolger wurden schwerer, der Atem ging heftig, und je nach Konstitution zog sich die Verfolgergruppe langsam auseinander. Doch auch der Mensch mußte mit seiner Kondition kämpfen. Früher oder später bekamen sie ihn. Der Abstand zwischen der Verfolgerspitze und dem Menschen wurde stetig kleiner.
Erneut verschwand der Mensch hinter einer Gebäudeecke. Als der Bajoraner und der Klingone gleichzeitig die Ecke erreichten, blickten Sie in eine leere Sackgasse. Der Mensch war verschwunden. Keine zwanzig Meter vor ihnen ragte eine über drei Meter hohe Wand auf. Seitlich gab es rechts zwei, zur Linken eine Türe, die in die Seitengebäude führten. Überall lag Unrat herum. Einige alte Möbel lehnten an den Wänden. Keine der Eingänge stand offen. Langsam gingen die beiden in die Sackgasse hinein. Nach und nach kam auch der Rest der Verfolger an.
"Wo ist er?" erklang die überflüssige Frage ebenso, wie die Aufforderung "Komm heraus!"
Kein verräterisches Geräusch war zu hören. Gegenseitig sichernd gingen der Bajoraner und der Klingone weiter in die Gasse hinein. Die anderen folgten. Nicht jeder hatte eine Strahlenwaffe bei sich. Manche Trugen Metallstangen oder Holzbretter, wieder andere verließen sich auf ihre Fäuste.
"Er muß hier irgendwo sein", zischte ein Topsider und schlug dabei eine Eisenstange rhythmisch in die flache Hand.
Eine Tür nach der anderen wurde überprüft. Alle waren verschlossen. Als die beiden Anführer die rückwärtige Mauer erreicht hatten wandten sie sich fragend zu den anderen um.
Der Mensch schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein. Der Topsider mit der Eisenstange begann das Gerümpel an einer Häuserwand zu untersuchen, als die Möbelreste und der Abfall explosionsartig in alle Richtungen aueinanderflogen, und drei der Verfolger dabei zu Boden rissen. Der Topsider wurde von einem Metallstuhl am Echsenschädel getroffen und sank bewußtlos zu Boden. Ein anderer Schrie vor Schmerzen, weil ihn eine Tonne genau mit der Kante an einem Kniegelenk getroffen hatte.
In all dem plötzlichen Durcheinander stand der Mensch mit seiner weiten Kutte und feuerte übergangslos mit einem Strahler in jeder Hand auf seine Verfolger.
Noch bevor das erste Feuer erwidert wurde, rollte er sich bereits über den Boden ab, rammte dabei einen Ellenbogen einem anderen Topsider gegen das Unterkiefer und gewann so eine Lücke in Richtung offener Straße. Die ersten Strahlschüsse schlugen in die Wand, vor der er eben noch gestanden hatte. Fluchend nahmen die ersten erneut die Verfolgung auf. Nur der Klingone an der Mauer blieb ruhig stehen und zielte.
Als er den Auslöser seiner Waffe betätigte, hatte der Mensch schon fast die Häuserecke erreicht. Der Energiestrahl traf ihn an der rechten Schulter und wirbelte ihn herum. Mit brennendem Schulterteil stürzte er schreiend zu Boden. Noch im Fallen, wissend das er keine Chance mehr hatte eröffnete er erneut das Feuer. Doch schon nach dem ersten Schuß waren die Verfolger bei ihm und schlugen ihm die Waffen aus den Händen. Ein mörderischer Schlag traf ihn am Kopf. Der Mensch erwartete bereits das Ende als sich die Hölle über der schreienden Menge auftat. Gleich gruppenweise fielen die Verfolger mit steifen Gliedern zu Boden. Wie aus dem Nichts erschien plötzlich ein Klingone in zwei Metern Höhe, viel zu Boden und rollte sich ab. Noch im Fallen paralysierte er zwei der Angreifer mit seiner Waffe. Mit zwei schnellen Schritten war er bei seinem Artgenossen, der den Schuß auf den Menschen abgegeben hatte. Der Schütze und auch der Bajoraner neben ihm waren so überrascht, das sie nicht fähig waren mit ihren Waffen zu reagieren. Der Bajoraner fiel von einem einzigen Schlag getroffen bewußtlos zu Boden, der Klingone hatte seine Beherrschung so schnell wiedergefunden, um zumindest den ersten Schlag parieren zu können. Doch der Kampf dauerte nur Sekunden. Dann sank auch er bewußtlos auf das schmutzige Pflaster der Gasse.
Innerhalb von Sekunden war der ganze Kampf zu Ende und der Boden der Gasse war bedeckt mit den Körpern von mehr als dreißig Wesen.
Mit schnellen Schritten war Worf bei dem Menschen. Mit zwei raschen Schlägen hatte er das Feuer an der Schulterwunde gelöscht. Viel schlimmer war jedoch die Kopfwunde. Der Mensch lag in einer großen Blutlache am Boden. Der Blick des etwa 25-jährigen Mannes flackerte.
"Wer...wer sind sie?"
Im selben Moment begann über Worf die Luft zu flackern, und die Gestalt Atlans schälte sich aus dem Nichts. Langsam sank er neben Worf zu Boden und öffnete seinen Helm, so daß sein Gesicht zu erkennen war. Als der Schwerverletzte die menschlichen Züge des Arkoniden erblickte, wurden seine Augen groß.
Schwach aber bestimmt griff der Schwerverletzte nach dem Arm des Arkoniden.
"Sie...sie sind...Nebenweltler. Ich..."
Er verdrehte die Augen, und Atlan befürchtete schon, der Mann würde das Bewußtsein verlieren. Doch denn wurde sein Blick wieder etwas klarer. Längst hatte der SERUN den Verletzten gescannt und eine irreparable Fraktur der Schädelbasis festgestellt. Der Mann würde sterben. Behutsam griff der Arkonide unter den Kopf des Schwerverletzten und stützte ihn etwas. Im Blick des Mannes war das Wissen über das baldige Ende zu erkennen.
"...Traders..."
Seine Stimme wurde schwächer. Atlan senkte sich zu ihm hinunter um ihn besser verstehen zu können.
"...Traders... Quints... Lara... ihr müßt..."
"Was?"
"...müßt sie... Lara... Tiriljaner..."
Dann war nichts mehr. Sein Kopf sank zur Seite. Die Scanner des SERUNS diagnostizierten den Exitus. Das Leben war aus dem ersten Menschen gewichen, den Sie in diesem Universum getroffen hatten. Nicht einmal seinen Namen kannten sie. War eine einmalige Chance vertan? Alles was sie hatten waren ein paar unzusammenhängende Wörter deren Sinn den beiden verborgen blieb.
"Eine Datenverifizierung der Aussage mit den vorhandenen Ortskenntnissen ergibt eine 97,6-prozentige Lokalisierung eines Ortes Namens Traders-Motel und eine 82,4-prozentige Lokalisierung eines Ortes Namens Quins Bar. Beide ermittelten Orte liegen in demselben Straßenzug. Der Begriff Lara konnte in keinen schlüssigen Kontext gestellt werden. Tiriljaner ist die Bezeichnung eines Volkes dieses Universums."
Die Ausführungen der Syntronik hatten eine unerwartet klare Analyse der Worte des Verstorbenen ergeben, und wischten damit die Befürchtungen Atlans beiseite. Sie hatten eine neue Spur.
Die beiden ungleichen Wesen erhoben sich. Für einen Augenblick stand die Frage zwischen ihnen, was sie mit dem verstorbenen Menschen tun sollten. Es widerstrebte ihnen den Mann einfach hier liegen zu lassen, und doch gab es keine Alternative. Die ersten schwachen Bewegungen entstanden unter der Meute auf dem Pflaster der Straße. Auch die Ordnungskräfte würden bals hier auftauchen. Atlan und Worf blickten sich kurz an.
"Wir müssen hier verschwinden", sagte der Sicherheitschef der ENTERPRISE trocken. Atlan nickte und verschwand im nächsten Moment in seinem Deflektorfeld.
Stumm ging ein scheinbar einsamer Klingone die Gasse entlang und verschwand kurz darauf unter den Passanten der nächsten Hauptstraße.