12. Die Flucht

Es war Atlan nicht möglich gewesen, Worf auf   konventionelle Art in die Bar zu begleiten. Zu viele Gäste waren anwesend und es wäre unweigerlich zu einem Kontakt mit dem unsichtbaren Arkoniden gekommen. Deshalb hatte er sich entschlossen, das Antigrav-Aggregat des SERUNS zu aktivieren.

Lautlos und vollkommen unbemerkt schwebte er daher über den Köpfen der Anwesenden als das Schicksal seinen Lauf nahm.

Kurz bevor der geheimnisvolle Count-Down abgelaufen war, meldete der SERUN eine eingehende Nachricht von Lieutenant Commander Data. Dieser hatte das Shuttle aufgeben müssen. Seine Tarnung war gefallen. Es war ihm jedoch gelungen sich unbemerkt zurückzuziehen. Er gab die Koordinaten an Atlans SERUN weiter, Atlan überflog sie nur kurz, denn in diesem Augenblick war die Zeit abgelaufen und Atlans ganze Konzentration galt nun dem, was der Countdown denn nun wohl bewirken würde. Er hoffte aus den Gesprächen der Anwesenden alle Informationen zu bekommen, das er die Auswirkungen jedoch an eigenen Leibe erfahren würde, damit hatte er nicht gerechnet.

Zunächst zeigte sich der Tor-Effekt dadurch, das die umfangreichen Sensoranzeigen in seinem Helmdisplay übergangslos erloschen.

"Fehlfunktion", meldete der SERUN lapidar auf akustischem Wege. "Systemübergreifender Energieabfall. Ursache unbekannt."

"Den Deflektorschirm in jedem Fall aufrecht erhalten", rief Atlan.

"Energie bei 20 Prozent, fallend. Aktiviere Notenergieversorgung ... Negativ. Energiekompensation nicht möglich. Ich muß mich voraussichtlich in 10 Sekunden deaktivieren. Korrektur: Fünf Sekunden."

"Verdammt", fluchte der Arkonide. Gleichzeitig sah er sich nach einem Platz um, auf dem er unbemerkt landen konnte und nicht gleich auffiel, wenn der Deflektorschirm fiel. Doch schon während des nächsten Atemzugs wurde ihm klar, das es aussichtslos war. Der Ausgang der Bar war seine einzige Chance. Doch so weit kam er nicht mehr.

"Energie bei 5 Prozent. Deaktivierungssequenz wird... nicht kompensierbare Energiefluktuationen..."

Im nächsten Moment explodierte etwas in seinem Rücken. Blaue Blitze zuckten durch sein Blickfeld und ihm war klar, das er die Ursache dafür war. Sein Körper versteifte sich. Jeden Moment würde er sichtbar werden und wie ein reifer Apfel von der Decke fallen. Er nahm elektrische Überschlagsentladungen wahr. Der Anzug wirkte wie ein faradayscher Käfig und ließ die Energien lediglich über die SERUN-Hülle wabern. Trotzdem stieg ihm übergangslos der Geruch von verschmortem Isoliermaterial in die Nase. Das SERUN-Material war zwar nicht brennbar, doch es wurde im wahrsten Sinne des Wortes brenzlig.

Übergangslos zerrte plötzlich die Schwerkraft an ihm. Der Aufprall auf dem Tisch preßte ihm die Luft aus den Lungen. Der SERUN hatte nun völlig seine Funktion eingestellt. Kein Prallfeld fing ihn ab. Unbewußt fingerte er nach der manuellen Entriegelung des Helms, denn auch die Lebenserhaltungssysteme hatten ihren Dienst eingestellt und ein Sauerstoffmangel wäre nach kurzer Zeit vorprogrammiert gewesen.

Im nächsten Moment vernahm er auch schon den panischen Schrei eines Anwesenden: "Ein Mensch!"

Sein Körper reagierte automatisch. Kaum hatte er die drohende Gefahr realisiert, war er auch schon auf den Beinen. Da stand er nun. Sprungbereit, leicht geduckt, doch vollkommen ruhig. Er kannte solche Situationen und er war es gewohnt zu kämpfen. Die Eigenschaft, die Gefährlichkeit einer Situation einschätzen zu können, hatte dem Arkoniden mehr als einmal das Leben gerettet. Wenn eines an seiner momentanen Lage klar war, dann die Tatsache, das er hier nichts mit Worten erreichen konnte. Er blickte in die Runde. Eine hochexplosive Stille war eingekehrt. Die nächste Bewegung, das nächste Wort würde die Situation eskalieren lassen – dessen war er sich sicher. Er blickte in die Gesichter von Blues, Topsidern und Wesen, die er nie zuvor gesehen hatte und sie alle zeigten nichts anderes als blanken Haß dem vermeintlichen Menschen gegenüber.

 

Und das mir, wenn das jetzt Rhodan sehen könnte. Der Barbar hätte einen riesigen Spaß dabei.

Konzentriere dich auf die Situation, Narr.

Er war konzentriert. Sein Körper war angespannt, kein Muskel in seinem Gesicht zuckte. Es waren nur Sekundenbruchteile, doch es waren jene magischen Momente eines Lebens, die zeitlos waren.

Die nächste Bewegung, die er wahrnahm, war die Lieutenant Worfs, der unvermittelt zu ihm trat und sich in seinem Rücken aufbaute.

"Soviel zu ihrer unschlagbaren Technik...", sagte er nur. Weiter kam er nicht denn im nächsten Augenblick stürzte sich die Meute auch schon auf sie.

Beide waren geschulte Kämpfer. Blitzschnell reagierten sie auf jede Attacke und es gelang ihnen sich genügend Raum freizuhalten um agieren zu können. Trotzdem war ihnen klar, das sie den Kampf auf Dauer nicht gewinnen konnten.

Sie versuchten den Eingang zu erreichen, doch fünf Meter davor kam Atlan das erste mal zu Fall. Sofort fiel ein Chamasch über den Arkoniden her, doch Worf sorgte dafür das der Angreifer durch eine gezielten Fußtritt über den Arkoniden hinwegflog und zwei Angreifer auf der gegenüberliegenden Seite niederriß. Durch die Aktion hatte der Klingone jedoch seine eigene Verteidigung geschwächt. Dies bezahlte er durch einen harten Schlag eines Topsiders in die Seite, die dem Sicherheitsoffizier der ENTERPRISE die Luft aus den Lungen trieb. Ein weiter Schlag traf ihn am Kopf und ließ ihn in die Knie gehen.

Inzwischen war Atlan wieder auf den Beinen und wendete mittels eines Dagorgriffs die Wucht eines weiteren Schlages, der Worf in den Rücken getroffen hätte ab und lies den Angreifer durch seinen eigenen Schwung gegen seinen Nachbarn prallen.

Doch die eingespielte Verteidigung der beiden Außenweltler war durch die gegenseitige Hilfestellung aus dem Gleichgewicht geraten. Ein erneuter Schlag eines fischähnlichen Wesens, das Atlan nie zuvor gesehen hatte, traf ihn an der Schulter und schickte einen stechenden Schmerz durch seinen Körper.

Plötzlich registrierte der Arkonide eine Bewegung in der Menge, die dem geschulten Kämpferauge Atlans sofort als untypisch auffiel. Im nächsten Augenblick brachen zwei der auf sie einstürmenden Angreifer übergangslos in der Menge zusammen. Auch in der nächsten Reihe fiel ein Vulkanier und ein Chamasch in sich zusammen und ein Ferengi flog durch die Luft und landete in der gegenüberliegenden Angriffsreihe. In dieser geschlagenen Schneise erkannte Atlan nun eine Kuttengestalt, welche die letzte Reihe durchbrach, indem sie sich nach vorne hechtete und dabei die vordersten Angreifer links und rechts zur Seite stieß. Schwer atmend kam sie vor Atlan zu Fall. Mit einem Ruck riß sie sich die Kutte vom Körper und gleichzeitig fiel die Kopfmaske und das Gesicht einer jungen menschlichen Frau kam zum Vorschein.

"Laura Banks, es ist mir ein Vergügen", stellte sie sich mit beißendem Spott vor um im nächsten Atemzug bereits wieder auf den Beinen zu stehen.

Erschrocken verharrten die Angreifer in ihren Attacken. Es war schon eine Ungeheuerlichkeit einen Menschen hier mitten in einer Bar zu entlarven, aber das ein weiterer Mensch einfach so auftauchte und scheinbar auch noch freiwillig die Maske fallen ließ, war einfach unglaublich.

Atlan, Worf und nicht zuletzt Laura erkannten ihre Chance sofort. Bevor einer der Anwesenden reagieren konnte, brachen die beiden auch schon in Richtung Ausgang durch. Als wieder Leben in die Angreifer kam, hatten die drei bereits den Ausgang erreicht.

Eisige Kälte empfing sie, als sie die Tür hinter sich zuschlugen und sich zu dritt dagegen lehnten um kurz zu verschnaufen. Rumpelnd schlugen die Verfolger dagegen.

Atlan nahm sich für eine Sekunde Zeit, die Fremde zu mustern, die so unerwartet zu ihnen gestoßen war. Sie hatte eine durchtrainierte Figur unter der engen Kleidung.

"Wer..."

Ruckartig fuhr ihr Kopf zu ihm herum. Der Arkonide blickte in wütend blitzende Augen.

"Nur damit wir uns richtig verstehen. Am liebsten würde ich euch den Schädel einschlagen. Nur leider seit ihr zu wichtig für Gonner."

"Wer ist Gonner?" wollte Worf wissen.

"Keine Zeit für Erklärungen", fauchte Laura nur uns stieß sich von der Tür ab. "Kommt schon!"

Der Klingone und der Arkonide blickten sich kurz an, dann liefen sie hinter Laura her die Straße hinunter in die Dunkelheit.

Keine Straßenbeleuchtung erhellte die hereingebrochene Nacht. Noch immer war kein energieverbrauchendes Gerät aktiv.

 

*

 

Denderol Dim öffnete überrascht die Augen, als ein akustisches Signal der Steuerkonsole anzeigte, das ein Gespräch höchster Priorität auf Bestätigung wartete. Überraschend war dies deshalb, da normalerweise 20 Zeiteinheiten nach dem Transschock die dienstliche Anweisung galt kein einziges Gerät des Polizeigleiters zu aktivieren. Dieses nervende, monoton piepsende Signal setzte diese Order jedoch automatisch außer Kraft. Mit schnellen Bewegungen aktivierte Dim das Hauptaggregat seines Gleiters. Sofort flammten zahlreiche Kontrollanzeigen in dem unbeleuchteten Cockpit auf. Ein Sirren erklang und zeigte ihm an, das sich der Empfänger automatisch auf die Polizeifrequenz einklinkte.

"...auzuschalten. Ich wiederhole: Im Terril-Viertel wurden zwei Menschen gesichtet. Sie sind gefährlich und befinden sich in Gesellschaft eines Klingonen. Zuletzt wurden sie vor Quins-Bar gesehen. Ergreifen Sie sofort alle erforderlichen Maßnahmen um die Flüchtenden auszuschalten. Ich wiederhole..."

Dim richtete sich kerzengerade in seinem Fahrersitz auf. Quins Bar war keine drei Minuten Flugzeit von seinem Standort entfernt.

Flink huschten seine Finger über die Kontrollen. Das Aggregat begann mit höherer Frequenz zu summen und die Energien begannen in das Flugaggregat zu fließen. Die Außenscheinwerfer flammten auf und Dim umfaßte den Steuerknüppel um den Gleiter aus der Seitenstraße heraus zu manövrieren, als er in der Bewegung erstarrte.

Im vollen Schein der Außenbeleuchtung stand ein Klingone breitbeinig vor dem Gleiter und richtet mit beiden Händen eine Waffe genau auf ihn. Noch bevor er überlegen konnte ob der unbekannte Energiestrahler in der Hand des Fremden eine Gefahr für das hitzebeständige Panzerglas des Gleiters darstellte, klopfte es auch schon an die halb heruntergefahrene Seitenscheibe. Der Chamasch blickte in das häßliche Gesicht einer Menschenfrau, die ihm grinsend den Lauf ihrer Waffe vor das Gesicht hielt.

"Denk nicht einmal daran", zischte die Fremde. "Du hast etwas, das wir uns ausleihen müssen."

Eine Halbe Minute später hob der Gleiter mit Laura Banks hinter dem Steuer, sowie einem Arkoniden, Klingonen und einem paralysiertem Chamasch im hinteren Fahrgastraum vom Boden ab und schoß in Richtung Raumhafen davon.

"Wie sieht dein Plan aus?" fragte Atlan die Frau und kam nach vorne um ihr über die Schulter zu sehen. Er hatte Worf inzwischen darüber aufgeklärt, das das Shuttle der ENTERPRISE zerstört worden war.

"Wir versuchen mein Schiff zu erreichen und möglichst schnell den freien Raum zu erreichen. Das ist unsere einzige Chance."

"Das ist nicht akzeptabel. Wir müssen zuerst unseren Gefährten abholen", lehnte Worf den Plan Lauras ungerührt ab.

Lautstark die Luft aus den Lungen pressend wischte sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

"Verdammt. Ein weiterer Mensch? Wo?"

Worf schüttelte den Kopf. "Kein Mensch. Ein Androide. Im Hangar eines der Raumhafengebäude."

"Abgelehnt, Klingone. Wir können uns keine Verzögerung leisten."

"Ohne ihn werden wir den Planeten nicht verlassen."

Mit wütenden Blicken fuhr ihr Kopf zu Worf herum, der sich nun ebenfalls erhoben hatte, und in der engen Fahrgastzelle nach vorne kommen wollte.

"Hör zu, Klingone. Ich mag dich nicht. Ehrlich gesagt kann ich dein Volk nicht ausstehen. Trotzdem habe ich für dich und Mister Langhaar hier meine sorgfältig aufgebaute Tarnung fallen lassen. Ich habe mich und mein Schiff in höchste Gefahr gebracht, und ich werde es nicht zulassen, das das alles umsonst gewesen ist."

Ein leises Knurren kam aus Worfs Rachen, als er hinter Laura trat. Die ließ sich davon jedoch nicht im geringsten beeindrucken. Der Sicherheitchef der ENTERPRISE wollte gerade lautstark den Einwänden Lauras etwas entgegensetzen, als die ruhige Stimme Atlans erklang.

"Danke das du uns geholfen hast. Aber am Raumhafen werden sich unsere Wege trennen. Wie Mister Worf bereits sagte, werden wir von hier nur mit dem Androiden verschwinden. Wir lassen uns zu nichts zwingen. Wenn wir allerdings wirklich so wichtig sind, wie du denkst, dann wäre es jedoch in der Tat tragisch, das du das alles aufgegeben hast um dann alleine von hier zu verschwinden."

Mit zusammengekniffenen Augen blickte sie den Arkoniden an, dann schüttelte sie resignierend den Kopf und fragte nur noch kopfschüttelnd: "Wo ist die Blechbüchse."

Während dem Flug zum Raumhafen versuchte Atlan mehrmals die Minisyntronik des SERUNs neu zu starten, doch nichts geschah. Erst als sie die ersten Hafengebäude überflogen meldete sich der Anzug mit einem leisen Piepsen.

"Aktiviere Reparaturschaltung", erklang es aus der Halskrause des SERUNS. Atlan blickte überrascht auf. Er hatte das technische Vorzeigestück terranischer Technik bereits abgeschrieben.

"Was ist noch ganz", fragte er. Laura blickte ihn überrascht an, da sie die flüsternde Meldung des Syntrons nicht mitbekommen hatte.

"Fehlerdiagnose läuft noch. Eine Prognose deutet jedoch auf einen 75-prozentigen systemübergreifenden Schaden hin. Sämtliche Datenspeicher wurden gelöscht. Ich greife auf meinen Festspeicher zurück, um meine Systeme neu zu starten. Bitte identifiziere dich um deine Autorisation sicherzustellen."

Atlan murmelte eine Verwünschung. Sämtliche auf dem Planeten gesammelten Daten, während des Einsatzes in temporären Speichermodulen gesichert, waren durch den kompletten Energieausfall verloren gegangen. Atlan identifizierte sich gegenüber des Pikosyns und wurde daraufhin vom Anzug als voll nutzungsberechtigt akzeptiert.

Zwei Minuten später setzte der Polizeigleiter vor einem Hangar auf dem Raumhafen auf. Ohne Atlans fotografisches Gedächtnis wäre es nicht so einfach gewesen, die von Lieutenant Commander Data übermittelten Koordinaten zu finden, denn der SERUN hatte auch diese Daten verloren.

Atlan und Worf sprangen aus dem Gleiter, während Laura die Ortung im Auge behielt. Noch war ihre Flucht mit dem Polizeigleiter nicht entdeckt worden. Doch das konnte sich schnell ändern. Der Planet erwachte langsam und zögerlich zu neuem Leben. Lichter erhellten die ersten Fenster der fernen Gebäude Faastoloks.

Die Hangartore standen lediglich einen Spalt breit offen. Mit vereinten Kräften schoben sie ein Tor des flachen einstöckigen Baus soweit auf, bis sie hinein schlüpfen konnten. Keine drei Meter vor Ihnen lag Data mit starrem Körper auf dem Boden. Fahl brach sich das schwache indirekte Scheinwerferlicht des Gleiters, das von draußen herein fiel, auf der blassen Haut des Androiden.

"Das habe ich befürchtet", keuchte Atlan. "Auch er ist von diesem Phänomen nicht verschont geblieben. Hoffentlich kann er repariert werden."

Worf stürzte auf den Androiden zu. Gemeinsam trugen Sie den Körper des Androiden in den Gleiter. Atlan hatte das Schott noch nicht geschlossen, als Laura auch schon den Gleiter im Tiefflug über das Raumfeld jagte.

Der Raumhafen der Hauptstadt bedeckte in seiner Gesamtheit eine Fläche von über 10 Quadratkilometer. Lara mußte sich selbst erst einmal orientieren, um ihr Schiff überhaupt zu finden. Als sie den Raumer endlich in der Ortung hatte, hallte auch schon ein Funkspruch der Bodenkontrolle durch die Fahrgastzelle. Der Gleiter wurde direkt angefunkt.

"Achtung. Sie wurden als Polzeigleiter PG-57 identifiziert. Bitte nennen Sie Ziel und Auftrag. Flüge im Raumfeldbereich sind ohne ausdrückliche Genehmigung nicht gestattet."

Diese Meldung wurde ständig wiederholt.

"Ich denke, wir sollten antworten", meinte Atlan nur.

Laura blickte ihn mit säuerlichem Ausdruck an.

"Was würde ich nur ohne euch Typen machen? Oh, wahrscheinlich überleben."

Sie betätigte einige Schalter und sprach dann mit tiefer verstellter Stimme:

"Hier PG-57, ich habe mich verflogen, bitte senden Sie mir einen Richtstrahl."

"Sehr originell", bemerkte Atlan von der Seite, ohne seinen Blick von dem Panorama vor dem Gleiter zu nehmen. "Dort."

Der Arkonide zeigte in den Himmel, wo drei leuchtende Punkte auf sie herab fielen.

"Gleiter der Hafensicherheit", sagte Laura unbeeindruckt. "Wir bekommen also Gesellschaft.

Im nächsten Augenblick verzögerte sie mit Höchstwerten und kam keine dreißig Meter vor der schwarzen Silhouette eines etwa 20 Meter langen Raumschiffs zum stehen, dessen Äußeres Atlan keiner bestimmten Form zuordnen konnte. Was er im Halbdunkel sah erinnerte ihn irgendwie an einen Haufen unterschiedlichster Schrotteile, die auf Landestützen angehäuft worden waren.

"Raus hier", rief Laura. Das Schott fuhr zischend hoch. Atlan verließ als erster den Gleiter, gefolgt von Worf, der sich Data über die Schultern gelegt hatte. Laura bildete das Schlußlicht. Noch im Laufen deaktivierte sie die Sicherheitssysteme ihres Schiffes, und die Einstiegsrampe fuhr herunter, so daß das ungleiche Gespann ohne weitere Verzögerung in das Schiff gelangen konnte. Noch bevor das Schott hinter ihnen zufuhr, hörten Sie erste Schüsse, die in den Boden des Raumhafens fuhren. Eine leichte Erschütterung durchlief das Schiff. Laura stürmte in das Cockpit, das nur einer Person Platz bot. Sie schlug mit der flachen Hand auf eine große markante Taste auf dem Hauptsteuerpult, was die Sequenz eines Alarmstarts einleitete. Die Generatoren des Schiffes erwachten zu raschem Leben. Mit Werten, die nahe an der Belastungsgrenze des Materials lagen, fuhren die Treibwerke hoch.

"Willkommen an Bord der BOUNTY. Haltet euch fest, sie ist ziemlich bockig, wenn ich sie so unsanft aufwecke."

Mit diesen Worten aktivierte sie das Antigravfeld, zog die Landestützen ein, und beschleunigte aus dem Stand heraus mit Hochwerten. Worf der Data noch auf den Armen hatte, flog samt dem Androiden in die Ecke des rückwärtigen Raumes. Atlan hatte sich geistesgegenwärtig am Rahmen des Schottes zum Cockpit festgehalten. Das Schiff hatte noch keine hundert Meter an Höhe gewonnen, als sie ein Streifschuß der Ordnungsgleiter traf, die sofort die Verfolgung aufgenommen hatten. Das Schiff durchlief ein Ruck und es brach seitlich nach rechts weg. Ein Alarmsignal tute metallisch durch den Raum. Atlan fürchtete schon, die BOUNTY würde abschmieren, doch Laura hatte den Steuerknüppel fest in der Hand. Sie nutzte die ungewollte Bewegung für eine komplette Rolle des Schiffes - ein wahnwitziges Manöver innerhalb der unteren Atmosphäreschichten. Die überlasteten Beschleunigungsabsorber veranstalteten irgendwo im Schiff ein sirrendes Konzert. Noch während der Rolle sah Atlan gleißende Energiebahnen dicht am Schiff vorbei zischen. Als die BOUNTY wieder eine horizontale Fluglage erreicht hatte, riß Laura den Steuerknüppel an sich und das Schiff flog eine steile Kurve senkrecht in den sternenklaren Himmel Quaarims.

Die Atmosphäre des Planeten rüttelte an der Außenzelle des Raumers. Atlan konnte die verdichtete Luft in Flugrichtung erkennen, und er glaubte seitlich die Atmosphäre brennen zu sehen. Dem Arkoniden wurde plötzlich bewußt, das das kleine Schiff ohne Schutzschirme fliegen mußte.

"Keine Schirme?", fragte er ungläubig. Im war klar, das ein einziger Volltreffer genügt hätte, die BOUNTY explodieren zu lassen.

"Richtig", erwiderte die eiskalte Pilotin nur. "Ich benötige die volle Energie für den Atmosphärenflug. Man muß eben Prioritäten setzen."

Erst als die BOUNTY die Atmosphäre hinter sich gelassen hatte und mit Höchstwerten in den Weltraum schoß, aktivierte Laura Banks die Schirme des Schiffes. Doch es war nur eine Vorsichtsmaßnahme. Die 20 Raumer der Torwächter, die in ihre Flugbahn einschwenkten, hatten keine Chance das wendige, schnelle Schiff Lauras noch zu erreichen. Keine drei Minuten nach Verlassen der oberen Luftschichten des Planeten tauchte die BOUNTY in den Hyperraum.