5. Der Notfall

Chefarzt Doktor Beverly Crusher hatte bereits nach dem ausgelösten Roten Alarm im Wurmloch alle Vorbereitungen für eine Notfallversorgung getroffen.

Es war eine reine Routineprozedur, die sie mit ihren Leuten bereits unzählige Male durchgeführt hatte, und die schon mehr als einmal Leben gerettet hatte.

Nach dem Gravitationsschock ging der Zauber dann auch wie erwartet los. Viele Leute kamen mit verstauchten Gliedern, Platzwunden oder auch leichten Frakturen auf die Krankenstation. Beverly mußte drei medizinische Offiziere direkt an Unfallorte schicken. Alle Vorfälle wurden vom Computer automatisch registriert, und an die Brücke geschickt. Insgesamt ereigneten sich einundvierzig Unfälle, die jedoch keinerlei Problem für Beverlys eingespieltes Team bedeuteten.

Sie behandelte gerade eine Gelenkfraktur eines jungen Fähnrichs, als Commander Rikers Nachricht die Krankenstation erreichte, alles für den Empfang eines Notfalltransports vorzubereiten.

Doktor Beverly Crusher mußte ihren Leuten keine Anweisungen geben. Für den Notfalltransport von Personen direkt in die Krankenstation, gab es vorbereitete Liegen, und Personal, das speziell auf die Erstversorgung von Schwerverletzten eingespielt war.

Beverly stand also bereits mit drei Mitarbeitern um die Liege, auf der laut Commander Rikers Mitteilung in wenigen Sekunden eine verletzte Person erscheinen mußte.

Sie blickte noch kurz in die Runde. Jeder war bereit und doch spiegelte sich in den Gesichtern Nervosität wider. Das Beamen eines Schwerverletzten direkt auf die Krankenstation bedeutete immer eine besondere Herausforderung für die Ärzte. Man wußte nie, was einen erwartete. Auf diesen Liegen waren schon Menschen aufgetaucht, denen Glieder fehlten oder die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt waren. Außerdem gab es an Bord der ENTERPRISE die unterschiedlichsten Geschöpfe. Innerhalb von Sekunden hatten sich die Ärzte hier schon die Metabolismen von Vulkaniern, Klingonen, sogar Romulanern und unzähliger weiterer Völker vergegenwärtigen müssen, um nicht den Herzmuskel eines Wesens zu verletzen, weil man dort das Atmungsorgan vermutete.

Außerdem hatte Riker, den Transport eines Unbekannten gemeldet, das bedeutete von außerhalb des Schiffes, was wiederum bedeutete, daß hier vor ihren Augen etwas absolut Fremdartiges, Ungeheuerliches erscheinen konnte.

"Halten Sie sich bereit", sagte Beverly nur, als bereits das charakteristische Sirren der Transporterrematerialisation den Raum erfüllte. Es wäre besser gewesen, die Augen kurz zu schließen, um sie vor dem nahen, blendend blauen Licht zu schützen, das mit der Materialisation einher ging, doch wer mochte es den Anwesenden verdenken, daß jeder gespannt auf die Liege blickte. Was sich hier vor ihren Augen aus der noch fließenden Energie formte, hatten die Menschen der ENTERPRISE noch nie in ihrem Leben gesehen.

Die Gestalt war etwa eineinhalb Meter groß und hatte ein Körperfell, was es auf den ersten Blick als ein Tier erscheinen ließ, aber die Montur, die das Wesen trug, deutete auf ein intelligenzbegabtes Wesen hin. Trotzdem war der erste Eindruck der, eine überdimensionierte Maus vor sich zu haben. Jedenfalls zeigte die erste Computeranalyse, daß das Geschöpf mehr Tod als lebendig war.

"Ich bin k..keine Maus...", kam es ächtzend aus dem Maul des Wesens. Dann verdrehte es die Augen und der Kopf sackte langsam zur Seite. Die Sensoren meldeten piepsend, daß der Kreislauf zusammengebrochen war. Nur am Rande registrierte Beverly auf den zuckenden Anzeigefeldern die ungewöhnlich hohe Aktivitäten im Isokortex - dann hörte das Herz des kleinen Wesens auf zu schlagen.